Alle Artikel mit dem Schlagwort: Nachdenkliches

Prag im Herbst - Tor

Das magische Prag

Prag ist ein Ort der Magie. In kaum einer anderen Stadt trifft man auf eine solche Fülle an bezaubernden Bildern, verborgenen Gassen und Tälern, finden sich prächtige Villen und geheimnisvolle Bauten aus vielen Jahrhunderten, die kaum auf einer Karte zu erfassen sind, geschweige denn in Worten zu beschreiben. Eine Erkundung durch Prag ist ein Unternehmen ohne Ende. Prag birgt somit aber auch die Gefahr, sich hier in den endlosen und atemberaubenden Details zu verlieren und den Rest des Landes nicht mehr wahrzunehmen. Wie der Bote in Kafkas Parabel „Eine Kaiserliche Botschaft“ verliert sich der Betrachter in der labyrinthischen Stadt. Der Bote ist immer unterwegs, und vielleicht würde sein Eintreffen bereits die Botschaft zunichte machen, handelt ihr Inhalt, gesendet vom sterbenden Kaiser, doch vielleicht gerade von der Unendlichkeit.

Dojo im Grünen - Bild von rebeccaseung@Flickr

Wie erklärt man Budo? Ein Versuch

Es ist extrem schwierig, etwas wie Budo einem Außenstehenden zu erklären. Erst indem man es selbst teilnehmend – also gebend und nehmend – erfährt, gewinnt man einen Schatz an Bedeutungen, die allein allerdings noch kaum in Sprache zu übersetzen sind. Vielleicht liegt es daran, dass Budo selbst eine Art von Sprache ist, die im Dialog oder Selbstgespräch mit Geist und Körper vollzogen, realisiert und erlernt wird. Ich betrachte den Kern des Budo (so verstanden, wie es mich interessiert) nicht primär in einer Form der Selbstverteidigung, als etwas Esoterisches, oder als Freizeitbeschäftigung. Ich glaube nicht, dass man auf der Straße oft mit einem Katana angegriffen wird und dann zufällig gerade ein Jo in der Hand trägt. Der Begriff der Selbstfindung trifft es auch nicht völlig, denn er wird oft für Menschen verwendet, die in dem Gefühl leben, sich „verloren“ zu haben und daher suchen müssen, und es schwingt da oft etwas Weltfremdes mit, weshalb ich ihn hier auch nur sehr bedingt verwenden würde. Wie also erklärt man einem Außenstehenden, worum es sich handelt, ohne zugleich Bilder …

Windows: unsympathisch. Linux: abschreckend. Mac: elitär.

In einem 2002 veröffentlichten Artikel beschreibt ein technisch nicht überdurchschnittlich qualifizierter Anwender, warum er Probleme hat, von Windows auf Linux umzusteigen. Der Titel ist schön gewählt: „I Hate Windows – I am Afraid of Linux“. Die Zeiten haben sich leicht geändert: Durch Linux-Installationen kann man sich zumeist einfach hindurch klicken und Windows kommt als 7 endlich mal gereifter daher. Auch diese ständigen Updates, die in dem erwähnten Artikel als Argument gegen Linux angeführt werden, halte ich für kein Problem mehr. Das betrifft nicht minder Windows und sie lassen sich gut verdeckt im Hintergrund erledigen. Und vor allem dient der Aufwand eben oft der Sicherheit. Trotzdem sehe ich persönlich aber immer noch einige Probleme, wo sich nicht viel verändert hat. Obwohl ich fast ausschließlich Mac OS X benutze, ist mir bei Apple dieses ständige Gefühl des Ausgeliefertseins (Stichwort „Vendor Lock-In“) ausgesprochen unangenehm. Das fängt schon damit an, dass die Dokumentationen von Apple konstant zu den schwächsten gehören, die ich je für Software gefunden habe. Lassen sich also Transparenz und Auswahlmöglichkeiten mit einer Benutzerfreundlichkeit für technisch nicht …

Kokyu Nage

Eine andere Form des Lernens

Ich schreibe ein paar Beobachtungen und Gedanken nieder, die eigentlich nichts mit dem Inhalt von Budo zu tun haben, sondern mit dem Aspekt des Lernens. 1. Lernen als Bedingung und Folge des Könnens Ich habe in Jodo und Aikido zwei völlig verschiedene Formen des Lernens erfahren, und beide eher ungewöhnlich für die westliche Kultur. Gelehrt wird nicht durch das Vermitteln abstrakter Regeln. Das Beherrschen einer Technik folgt nicht ihrem Verstehen, sondern umgekehrt. Gerade in Shinto Muso Ryo werden bis ins kleinste Detail festgelegte, stark formalisierte und eigentlich unrealistische Bewegungsabläufe wiederholt und perfektioniert. Der Lernvorgang besteht dabei aus einem Hintereinander von vielen Stufen, von denen der Schüler immer eine hinreichend gut abgeschlossen haben muss, bevor er die nächste beginnen kann. Zunächst wirkt es wie ein stumpfsinniges Auswendiglernen, aber gerade im Nachvollziehen dieser Bewegungen und im Erleben ihrer zunehmenden Vervollkommung entwickelt sich ein Begreifen und Aneignen des Erstrebten. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler ist hier extrem wichtig und nicht so austauschbar wie in anderen Wissensfeldern. Der Lehrer begibt sich zum Lehren auf die Ebene des Schülers …

Gedanken über ein Paradox

Wenn Nishio Sensei auch so einiges an den tradierten Aikido-Techniken verändert hat, so versucht er dadurch aber umgekehrt, zu der ursprünglichen Idee von O Sensei Morihei Ueshiba zurück zu finden. Dies geht sehr schön aus den folgenden Interviews hervor: Interview von 1984: Teil 1, Teil 2 Interview von 1992: Teil 1, Teil 2 Auffallend ist für mich immer diese seltsame Paradoxie, die mir oft bei Aikido aufgefallen ist, wenn ich die Philosophie der Gründerväter mit dem Trainingsalltag und der verbal geäußerten oder indirekt erschließbaren Einstellung zahlreicher heutiger Praktizierender vergleiche.

Zerfallendes, in Bilder gefasst

Normalerweise kommt auf diesem Blog die Kunst nicht oft zu Wort, auch wenn sie gelegentlich eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat. Vorhin bin ich auf eine Fotoreportage gestoßen, wo mich vor allem die Bilder eines zerfallenden Sanatoriums („Beelitz“) und eines aus dem Leben gerissenen Vergnügungsparks beeindruckt haben. Es ist eine Beschäftigung mit dem Morbiden, die im Betrachten noch nicht abgeschlossen ist. Zu der Atmosphäre trägt zudem noch der geschichtliche Hintergrund dieser Stätten bei. Ein Sanatorium und ein Vergnügungspark stehen an gegensätzlichen Enden, aber dennoch beide dem Leben zugewandt. Jetzt leben sie wieder als etwas Verfallendes, Ehemaliges, aber als Bilder flüchtig bewahrt im nicht minder fragilen Internet. Orte, die einmal für Menschen geschaffen wurden, für eine Handhabung von Menschenmassen auf hohem kulturtechnischen Niveau, und zum Wohle nicht nur der Betroffenen, sondern auch der Maschinerien hinter den Kulissen – seien es Weltkriege oder Ideologien. Heilung und Vergnügen gehen hier ein Bündnis ein, indem sie die kalkulierte Verwertung des Menschen erlauben. Die Bilder vom Olympiadorf sind ernüchternd in der Weise wie sie mich an bestimmte Aspekte …

Selbstauferlegter Kolonialismus in der Exil-Bewegung

Demokratiebewegungen im Exil sind etwas ganz Eigenes und zudem, bei all ihrem Idealismus, oft mit seltsamen Schrullen und Eigenheiten versehen, die ihre Ursprünge vielleicht in gesellschaftlichen Gewohnheiten ihres Heimatlandes haben oder die als Folge des Migrationsschicksals entstanden sind. Burmesische Aktivisten bilden da keine Ausnahme, und schon gar keine rühmliche. Zu den in meinen Augen hervorstechendsten Seltsamkeiten unter Burmesen, sowohl im Land als auch außerhalb, gehört eine immer wieder zu beobachtende Ungleichbehandlung von Landsleuten und Menschen aus dem Westen, oder dem „globalen Norden“, wie man auch oft zu sagen pflegt. Vielleicht könnte man hier auf kulturelle Gewohnheiten schließen, die ihren Ursprung in der Kolonialzeit haben. Es erinnert mich immer daran, dass weiße Ausländer im Burmesischen unabhängig von ihrer Herkunft häufig als „Engländer“ bezeichnet werden.