Beruf

Die Chance einer burmesischen Zivilgesellschaft im Exil

Es ist gefährlich in Dingen recht zu haben, in denen die etablierten Autoritäten unrecht haben.

Voltaire

Und noch ein Zitat, jüngeren Datums, allerdings kein Bonmot, sondern aus einem Text herausgegriffen:

Like so many thousands of Burmese exiles, Myat is waiting for something to change back home.

(aus einem Beitrag des BBC)

Eigentlich ganz banal. Andererseits aber eine auffällige Ausnahme unter den Meinungen über Exilanten, was den Autoren als jemanden auszeichnet, der sich eingehender mit den Verhältnissen burmesischer Migranten beschäftigt hat.

Gewöhnlich wird das Interesse von Migranten unterschätzt, etwas in ihrem Herkunftsland ändern zu wollen. Es grenzt oft ans Absurde, wie etwa Behörden oder Bürger „westlicher“ Staaten im allgemeinen davon ausgehen, dass es nichts schöneres geben kann, als in der Fremde in unseren ungastlichen, aber (an Geld, Luxus und oft auch Ignoranz gemessen) reichen Gesellschaften leben zu „dürfen“.

Die Tschechische Republik hat eine ähnliche Erfahrung mit verschiedenen Auswanderwellen mitgemacht. Alle mir begegneten tschechischen Emigranten haben nach dem Ende des Ostblocks sofort wieder ihre Verbindungen heim nach Tschechien (zunächst Tschechoslowakei) intensiviert. Das ließe sich wohl sehr schön auf einer Europakarte als viele neue Routen ins bislang verwaiste Zentrum darstellen.

Hier wird nun zumeist darauf verwiesen, dass die Ansichten der emigrierten Tschechen nach 1989 oft mit denen der daheim gebliebenen kollidiert seien. In meinen Augen ist das ein klares Zeichen, dass sich erstens Emigranten weiter für die Bedingungen in ihrem Herkunftsland einsetzen, und zwar vermutlich umso mehr, je unterschiedlicher es von ihrer jetzigen Lebensumgebung ist und je tiefer der soziale Abstieg infolge der Migration war, und dass zweitens Remigranten (oder Emigranten, die aus der Ferne einwirken) auch ein großes Potential an Ideen und Neuerungen zurück bringen. Wir haben sonst die Situation, dass nur Wirtschaft und administrative Strukturen nach dem Fall einer autoritären Regierung modernisiert werden, dass aber die Bevölkerung selbst keine entsprechende Möglichkeit hat, sich fortzuentwickeln. Ohne Remigranten bleibt ein Austausch mit dem Ausland, der auf persönlichen Erfahrungen beruht, nur auf Tourismus beschränkt. Touristen kommen entweder ins Land und leben dort zumeist in einer anderen Welt als die Einheimischen, oder die Einheimischen reisen hinaus, was aber aus finanziellen Gründen in Umbruchzeiten relativ schwierig ist. Nach meinen Erfahrungen haben etwa Austauschstudenten überdurchschnittlich authentische Ansichten von anderen Ländern und können offenbar auch aus einer größeren Vielfalt an Lebensmodellen auswählen als daheim Gebliebene.

Natürlich gibt es auch das Phänomen, dass gerade Emigranten an alten „nationalen Werten“ festhalten und sich radikalisieren und zu Konflikten in ihrem Herkunftsland eher in einer Weise beitragen, die eine Eskalation begünstigt und Dialog behindert. Soweit ich sehen kann, betrifft das aber zumeist Länder, die eigentlich offener sind als zu dem Zeitpunkt, als die Migranten das Land verlassen haben, die sich also schneller entwickelt haben als es die Migranten in ihrem neuen Zuhause können. Sicher ist es oft auch eine Frage des Alters.