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„Danke für nichts und dafür, dass Sie zu spät gekommen sind. Helfen Sie weiter der Tyrannei.“

Der Titel dieses Artikels gibt die Worte eines burmesischen Bauern wieder, eines Opfers des Zyklons Nargis, mit denen er nach der Katastrophe ausländische Besucher empfangen hat. Der mutige Sprecher dieser bitteren Worte ist in einer allen Diktaturen eigenen Logik seitdem spurlos verschwunden, wie es in einem Artikel von Pascal Khoo Thwe heißt.

Dieser Artikel mit dem Titel „Goodbye cruel 2008 and hello to reality“ spricht eine ebenso zynische wie deutliche Sprache.

Falls überhaupt etwas, dann senden Vorfälle wie die von 2008 (und vorangegangener Jahre) die klare Botschaft gleichermaßen an alle Menschen in Burma und an die Generäle, dass wir, falls wir etwas erreichen wollen, was einer nationalen Identität gleichkommt, aufhören müssen, gedanklich von ausländischen Mächten abzuhängen oder uns gegenseitig dieser Abhängigkeit zu beschuldigen, und dass wir die Politik der Emotionen hinter uns lassen müssen.

Es ist ein Paradox, dass ein Überleben in Diktaturen nur mit Hoffnung möglich ist, dass aber andererseits Hoffnung oft ein Hindernis ist, um die Realität zu sehen. Das trifft auch auf besorgte Burmesen und Nicht-Burmesen zu, die außerhalb des Landes leben. Noch schwieriger ist es, mit einer trügerischen Hoffnung nicht zugleich auch die eigenen Werte aufzugeben. Zu groß ist die Versuchung, sich von der Verzweiflung zu scheinbar einfachen Lösungen verleiten zu lassen.

Ich habe oft beobachten können, dass der burmesischen Kultur (verschiedenster Ethnien) ein besonderer Respekt, bis hin zu einem Beiton von Unterwürfigkeit, gegenüber Ausländern zu eigen ist. Viele Burma-Reisende haben diese Ehrerbietung sicherlich genossen, aber oft scheint sie auch ein Hindernis darin zu sein, offen eine kritische Haltung gegenüber mächtigen Staaten, ihren Regierungen und ihren Bürgern einzunehmen. Zu stark scheint wohl auch die Freude darüber zu sein, dass sich überhaupt jemand „von draußen“ mit Burma beschäftigt, womit diese bereits ihre Schuldigkeit gegenüber Burma übererfüllt hätten.

Es ist oft erstaunlich, wie verschiedene burmesische Lobbyisten europäische und amerikanische Staaten abtouren, um den Mächtigen den Hof zu machen, während den eigenen Landsleuten in diesen Bemühungen keine besondere Rolle zugetraut wird. Kaum wird deren aktiver und kritischer Beitrag ermutigt und systematisch gefördert. Die Zusammenarbeit mit lokalen nicht-burmesischen Aktivisten ist da oft intensiver. Vielleicht wird man auch feststellen müssen, dass die Kultur Burmas schon lange Zeit nur unzureichend die Fertigkeiten einer friedlichen und konstruktiven internen Kritik zu vermitteln vermag. Der Respekt gegenüber Honorationen, Positionen und Titeln scheint oft die Endstation eines Prozesses kritischen Denkens zu sein, das sich nur in Gesprächen „auf gleicher Augenhöhe“ äußert, während man Menschen der mächtigen Staaten und Höhergestellten gegenüber tendentiell eher ein Lächeln wahrt.

In Burma ist die Fähigkeit einer friedlichen Konfliktkultur leider nur im apolitischen Bereich zu erlernen. Das ist nicht die Schuld der leidenden Bevölkerung. Eigentlich wäre das Exil eine Chance, hier solche Fertigkeiten zu vermitteln, die dann im Innern des Landes von großem Nutzen wären, inbegriffen ein über das bloße Wählengehen und über Parteipolitik hinaus gehendes Demokratieverständnis und eine Höherschätzung von brauchbaren Kenntnissen und überprüfbaren Fähigkeiten vor der Frage eines gesellschaftlichen Ranges. Die burmesische Exilgemeinschaft hat eine große Zahl gute Lehrer zu bieten, und um ein vielfaches mehr an potentiellen Schülern.

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