Monate: Februar 2009

Zehn Schritte zurück, einen Schritt vor

Der bekannte burmesische Blogger Nay Phone Latt muss nun voraussichtlich nicht 20 Jahre dafür absitzen, dass er sich kritisch über das Regime geäußert hat. Dieses nämlich erlässt ihm einen Teil der Strafe, wie in den Medien berichtet wird. Dieser Schritt geschieht etwa zeitgleich mit einer Amnestie für einige tausend Gefangene, unter denen aber nur etwa 0,1 Prozent politische Gefangene sind, die also für ein kritisches Wort, einen der Zensur entwischten Artikel, Kontakt mit ausländischen Medien, Demonstrationen, unerlaubtes Erstellen von Webseiten oder den Besitz von Kameras oder einfach nur für Hilfeleistung zu Zeiten von Nargis eingesperrt wurden. Der Zeitpunkt dieses kleinen Schrittes voran, der die bisherigen zehn Schritte zurück wohl kaum aufzuwiegen vermag, bestärkt durch den gerade abgeschlossenen Besuch des UN-Menschenrechtsexperten Tomas Ojea Quintana einmal mehr den Befund, dass es sich bei seinen Planern um routinierte, wenngleich auch nicht sonderlich phantasiebegabte, Militärstrategen handelt. Die neue US-Regierung sinniert über einen Kurswandel, der wirtschaftliche Investitionen in Burma bedeuten könnte, wofür die Junta sicherlich nicht mehr zu tun bräuchte, als einmal mehr ihre potemkinschen Dörfer aus der Requisitenkiste zu …

Aikido, animiert

Beeindruckend. Virtualität macht auch nicht vor Domänen halt, die eigentlich realweltlicher nicht sein könnten. Heute bin ich auf Aikido3d gestoßen. Es handelt sich um ein Hilfsmittel zum Üben, also wie ein Buch oder Video. Andernfalls wäre diese Software ein groteskes Missverständnis dessen, was ich für den Kern von Aikido halte. Die Bewegungen sehen wirklich sehr realistisch aus, muss ich anerkennend sagen. Es wird einen nicht überraschen, dass es visuell sehr an 3D-Computerspiele erinnert. Man kann der Produktbeschreibung zufolge zoomen, Fußabdrücke nachverfolgen und sogar die Zentren von Uke und Nage als Spiralen interagieren sehen, wovon mir Sinn und Nutzen allerdings noch nicht ganz klar sind. Interessieren würde mich, ob Aikido3d auch verschiedene Stilvarianten unterstützt oder ob hier gewissermaßen der Anspruch auf allgemeine Gültigkeit eines bestimmten Stils vertreten wird. Ein normativer Charakter würde mich entschieden stören, zumindest sollte dann klar gemacht werden, welche Schule hier vertreten wird. Schwert- und Stocktechniken in kleinen Häppchen zum Nachmachen wären hilfreich und sicher anschaulicher als auf Fotos oder handtellergroßen Online-Videos. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob man damit nicht …

Turing-Test für virtuelle Gemeinschaften?

Neben der Auffassung, dass sich virtuelle Gemeinschaften (wie etwa die Beispiele, die Howard Rheingold erwähnt hat) nicht strikt an die herkömmliche Definition von Gemeinschaften zu halten hätten, um etwa der Kritik zu begegnen, dass es sich bei Online-Communities allenfalls um Gruppen mit gemeinsamen Interessen handle, ist es natürlich auch denkbar, den realweltlichen Gemeinschaftsbegriff weiterhin unverändert als Maßstab anzuwenden. Dies jedoch stellt uns vor das Problem, ein geeignetes Tertium comparationis zu finden, auf dessen Grundlage sich beide Phänomene vergleichen lassen – schließlich wird argumentiert, dass es sich um grundlegend verschiedene Dinge handelt. Anstatt nun aber einen Satz von Kriterien herzustellen und diese auf das digitale Pendent zu übertragen, wäre in Analogie zum Vergleich von menschlicher und künstlicher Intelligenz ein Turing-Test denkbar, der eine äußerliche Ununterscheidbarkeit den Ausschlag geben ließe. Eine Abwandlung des Turing-Tests ist literarisch bereits in dem Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (und im Anschluss daran im Film „Blade Runner„) behandelt worden. Dort handelt es sich um einen Empathietest, bei dem die Probanden physiologisch auf empathiestimulierende Testfragen reagieren, wodurch sich Menschen von anthropomorphen Maschinen …