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YMCA und DBA, ein verfolgter Parlamentarier, zwei Mönche und zwei verdeckte Journalisten

Das ist nun eine lange Überschrift, nach der mir der Atem nur noch zu einem sehr knappen Bericht reicht. Ich finde nur selten Zeit, mich mit dem Laptop irgendwohin zu setzen und zu schreiben. Die Luft ist schwül, die Hitze eigentlich erträglich und mit zeitweiligen leichten Luftzügen sogar ganz angenehm. Hin und wieder regnet es unvermittelt für eine Stunde. Die abendliche Luft ist voller fingergroßer Libellen.

Polio-Impfung im YMCA

Polio-Impfung im YMCA

Gestern waren wir zunächst beim YMCA in einer Schule für burmesische Flüchtlingskinder und dann, nach schwierigen Fußwegen an Zelten und Baracken und großen Pfützen entlang, über Kanäle mit weißlichem Abwasser hinweg und zwischen spielenden Kindern, Werkstätten unter freiem Himmel und in ihren Exkrementen und Müllbergen wühlenden Schweinen hindurch, bei DBA, Don Bosco Ashalayam. Dort geht es mehr um berufliche Ausbildung und Requalifizierung für Jugendliche und Erwachsene. Neben diversen Kursen wie Englisch und Computerkenntnissen und einfacher handwerklicher Ausbildung werden dort auch Berufe vermittelt. Das Team von DBA begleitet dann die angestellten Flüchtlinge für einige Zeit und klärt gegebenenfalls auftretende Probleme mit den Arbeitgebern.

Sowohl YMCA als auch DBA können ihre Dienste in der Regel nur registrierten Flüchtlingen anbieten. Um vom UNHCR anerkannt zu werden, müssen sich die Neuankömmlinge zunächst registrieren und warten dann eine bestimmte Zeit auf ihr „Bewerbungsgespräch“. Das dauert bei manchen Leuten ein halbes Jahr, bei anderen zwei Jahre. Es ist seltsam, dass etwa geflohene Akteure der Proteste von 2007, die als Saffranrevolution bekannt geworden sind, und verfolgte Journalisten oft zu denen gehören, die länger warten müssen. Nach der Anerkennung durch das UNHCR können die Flüchtlinge dann ihren legalen Aufenthalt bei den indischen Behörden beantragen. Dort müssen sie zunächst eine „Strafe“ für die Zeit ihres Aufenthaltes vor der Anerkennung zahlen, da dieser als illegal gilt. Der UN-Flüchtlingsstatus scheint da nicht rückwirkend zu gelten. Der legale Aufenthalt muss immer wieder erneuert werden und kann, je nach Laune des Beamten, oft nur genau an dem Tag beantragt werden, an dem der vorherige ausläuft. Flüchtlinge die zu früh erscheinen, werden aufgefordert, später wieder zu kommen. Wenn sie später erscheinen, dann zahlen sie natürlich Strafe.

Uns wurde von mehreren Seiten berichtet, dass es Fälle gegeben habe, in denen die Zuteilung dieses Wohnsitzes mit „gewissen Zahlungen“ beschleunigt worden sei, von 10.000 Rupees war die Rede. Es gäbe zwar eine Möglichkeit, sich über die Verantwortlichen zu beschweren, aber darauf angesprochen antworten die Beschuldigten  nur, dass sie als Strafe versetzt würden und ein Kollege käme, der dann die Akten noch einmal ganz von Anfang durchsehen müsste. So lange will natürlich niemand warten. Ich weiß nicht, inwieweit diese Anschuldigungen wahr sind, aber ich gehe davon aus, dass die Leute beim UNHCR diesen Verdachtsmomenten nachgehen und sich für die Flüchtlinge – ihre Schutzbefohlenen – stark machen.

Dr. Tint Swe, der aus den letzten demokratischen Wahlen Burmas im Jahr 1990 als Parlamentarier hervorgegangen ist und nun eine kostenlose Klinik für burmesische Flüchtlinge betreibt, hat uns von seiner Flucht erzählt. Der Verhaftung, die ihn beim Abendessen hätte ereilen sollen, ist er nur um Haaresbreite entkommen und konnte dann über die Grenze nach Indien fliehen. Stellvertretend wurde sein jüngerer Bruder für vier Jahre ins Gefängnis gesteckt. Sowohl seine Klinik als auch seine Aktivitäten als Dissident bieten nicht gerade eine Langzeitperspektive. Trotzdem setzt er unbeirrt seine tägliche Arbeit im Kleinen fort. Von Aung San Suu Kyi sagte er, sie habe ein bestimmtes Stadium der buddhistischen Erleuchtung erreicht, was ihr viel Kraft, Ruhe und Optimismus verleihe. Vielleicht trifft das auch auf ihn zu.

Burmesischer MönchDann besuchten wir auch eine Art Kloster, wo einige aktive Mönche der Saffranrevolution untergekommen sind. In Burma leben diese Mönche von Spenden, was natürlich in Delhi nicht gut funktioniert, da es hier nur wenige Buddhisten gibt. Arbeit finden sie vermutlich auch nicht so leicht. Zuhause verrichten sie keine Erwerbstätigkeiten.

Das waren unsere Unternehmungen am Montag. Jetzt hänge ich mit meinem Bericht schon einen Tag hinterher, und ich habe noch nicht einmal annähernd alles niedergeschrieben, was wir alles gehört haben.