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Tresorit: Daten sicher, aber zu Schweizer Preisen

Tresorit

Bevor man überhaupt einige Wochen mit Freunden testen kann, stößt man bereits überall auf Grenzen.

Tresorit ist ein relativ neuer Akteur auf dem Markt der Cloud Storage Dienste. Seine Angebote sind zwar bereits seit April 2014 verfügbar, allerdings sind sie wohl erst durch den Fortfall von Wuala in das Zentrum des allgemeinen Interesses gerückt. Trotzdem dürfte es schwer sein, gegen die Übermacht von Dropbox und Google Drive anzukommen.

Der Unique selling Point von Tresorit ist zum einen Zero Knowledge (d.h. dass die Daten auf den Endgeräten der Nutzer ver- und entschlüsselt werden und selbst Tresorit sie nicht im Original besitzt), zum anderen aber die Speicherung der Daten in der Schweiz. Gerade der letzte Punkt bildet einen erheblichen Unterschied zu Spideroak.

Die Einstellungen erinnern z.T. stark an Dropbox.

Die Einstellungen erinnern z.T. stark an Dropbox.

Synchronisiert wird über ein Programm, das es für alle gängigen Betriebssysteme gibt, einschließlich Linux. Die Installation (getestet auf Mac) verläuft einfach, und die Applikation, die unauffällig im Hintergrund läuft, wirkt wie eine Mischung aus File-Browser und Dropbox-Interface. Dateien sind in „Tresoren“ organisiert, die Dateiordnern entsprechen und die mit anderen Tresorit-Nutzern geteilt werden können. Daneben kann man von allen Dateien – auch außerhalb der Tresore – „verschlüsselte Links“ erstellten und versenden – analog zu der ähnlichen Funktion in Dropbox. Dieser Link stößt, wenn ich ihn mit Safari öffne, allerdings gleich an seine Grenzen: „YOUR BROWSER IS NOT SUPPORTED! To view this file, please upgrade to the latest one of these browsers“ – Chrome oder Firefox.

Tresorit ist ebenfalls über ein Web-Interface nutzbar und bietet konsequenterweise dann auch 2-Step-Verification an.

Die mobile App (Android, iOS, Blackberry und Windows Phone) ist einfach aber solide und macht anstandslos was sie soll. Sie beherrscht ebenfalls den automatischen Upload von Fotos und Videos und das Herunterladen von Dateien für die Offline-Nutzung, wie man es von der Dropbox App gewohnt ist.

Nun zu den Preisen

Während Tresorit in Sachen Funktionsumfang und Bedienung einen sehr guten Eindruck macht, kann es mit den Preisen der Konkurrenz nur schlecht mithalten. Ich hatte mir zuvor Spideroak angesehen, da es ebenso Zero Knowledge anbietet. Allerdings fand ich dort die Bedienungsoberfläche mit einer Mischung aus Synchronisierung und Backups eher verwirrend und bevorzuge zudem doch entschieden eine Datenspeicherung an einem Ort, wo Datenschutz noch einen gewissen Wert hat.

Ich habe mir überlegt, ab wann ich von dem kostenlosen auf ein vorteilhaftes bezahltes Angebot übergehen würde und was es mich bei den verschiedenen Anbietern kosten würde.

Tresorit: Daten sicher, aber zu Schweizer PreisenFür das kleinste Angebot bei Tresorit, dem Premium Plan, zahlt der Kunde 10€ pro Monat (oder 12,50 US$). Aber Vorsicht: Der Preis versteht sich zuzüglich Mehrwertsteuer. Und dafür erhält man lediglich 100 GB. Bei Spideroak bekommt der Kunde rund zehnmal mehr Speicher (1 TB) für einen niedrigeren Preis, nämlich rund 11 € pro Monat – mit Preisnachlass bei jährlicher Zahlung.1 Für 1 TB zahlt man bei Tresorit bereits 20 € + MwSt. (16 € ab 5 Nutzern). Die 100 GB für den kleinsten Plan sind vielleicht noch verständlich, da der Großteil der Nutzer diese Grenze kaum überschreiten dürfte. Womit aber die erheblichen Mehrkosten für vergleichbare Produkte begründet werden, bleibt mir ein Rätsel.

Was ich ebenso verwunderlich finde, ist dass Tresorit den kostenlosen Plan so sehr beschneidet, dass es kaum zu einer weitflächigen Etablierung kommen dürfte. 3 GB (oder 5 GB nach ein paar einfachen Pflichtübungen zum Kennenlernen der Funktionen) entsprechen zwar dem üblichen Einstiegsangebot, allerdings ist nur eine Synchronisierung über maximal 3 Geräte möglich, und die Dateigröße ist auf lediglich 0,5 GB beschränkt – da passt kaum ein Film hinein. Zudem ist hier keine File Version History verfügbar und die Anzahl der Tresore ist auf 3 beschränkt.2

Es ist zwar verständlich, dass Tresorit die Kunden nach anfänglichem Testen auf ihre bezahlten Produkte hinüber schieben möchte. Wenn aber mit diesen sehr eingeschränkten Parametern sehr schnell ein Upgrade fällig wird, dann wird einen das Preis-Leistungs-Verhältnis eher zum Wechsel bewegen als zum Upgraden. Zu den etwas gehobeneren Preisen hätte man eben gern etwas mehr als nur ein Schweizer Image. Vielleicht sollten die Kunden eher gelockt als geschoben werden.

Vielleicht bessert Tresorit ja noch nach. Momentan scheint es immer noch der vielversprechendste Service in diesem Segment zu sein, und es wäre schade, wenn es das Schicksal von Wuala erleiden würde.

Tresorit: Browser not supported

Seinem Kunden einen „veschlüsselten Link“ zum Downloaden einer Datei geschickt und … Fehlanzeige. Safari – immerhin der Standardbrowser auf Mac OS – wird nicht unterstützt.

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  1. Über MwSt. habe ich keine Informationen gefunden.
  2. Mit dem erwähnten Premium Plan darf man Dateien von maximal 5 GB synchronisieren, und dies auf höchstens 5 Geräten.

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