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Birma und Japan – eine Nachschau

Fushimi Inari Taisha

Diesen Beitrag habe ich vor rund einem Jahr begonnen, aber aus irgendwelchen Gründen nicht fertig gestellt. Ich erinnere mich nicht mehr an diese Gründe, aber doch an die Eindrücke, die mich überhaupt zum Schreiben veranlasst hatten. Auslöser war eine Dienstreise nach Birma (Myanmar) und, im Anschluss daran, meine überhaupt erste Reise nach Japan.

Diese zwei Orte in Asien sind voneinander völlig verschieden, aber beide haben stets einen starken Eindruck hinterlassen, der für mich wie kaum ein anderer so prägend war, dass er meinem Leben eine neue Richtung gegeben hat.

Birma (Myanmar)

Selbst nach einigen Reisen hat dieses Land immer noch einen ganz eigenen Zauber. Es ist aber auch ein Land der Gegensätze.

Gerade wenn man beruflich nach Birma fährt, um dort den Menschen zu helfen, dann sieht man nicht nur das „goldene“ Land der Reiseprospekte, sondern auch Armut, Gewalt und dergleichen. Die oft als „Romantik“ wahrgenommene Armut und Einfachheit hat nicht viel mit der Realität zu tun. Eine schlechte medizinische Versorgung 1 oder eine kaum existierende Möglichkeit, seine Interessen zu vertreten2, sind nur ein paar der Schattenseiten.

Es ist ein Land, in dem viel gelächelt wird, und in dem man als weißer Reisender aus einem wohlhabenden Land oft bewundert, beneidet und hofiert wird. Es ist vielleicht das Land, in dem ich am häufigsten Landschaften von märchenhafter Schönheit erlebt habe. Dazu passen wunderbar die kleinen Pagoden, deren weiße oder rote Gebäude und goldenen Kuppeln hier und da aus dem Grün ragen.

Birma ist auch voller Erinnerungen an unglaublich lärmige und verstaubte Überlandstraßen, wo die Lastwagen einer nach dem anderen vorbei donnern, während nebenan in den offenen Häusern Kinder am Boden spielen. Ich habe zahllose gefährliche Überlandfahrten über regennasse Serpentinen aus glitschigem Schlamm erlebt, über Erdrutsche hinweg und immer an der Kante zu einem Tal tief unten. In Birma muss ich aufpassen, was ich esse, um keine Verdauungsprobleme zu bekommen. Eigentlich muss man überall aufpassen, auch auf den Gehwegen, um nicht in ein Loch zu fallen.

Aber dann trifft man wieder auf unglaublich herzliche Menschen, die sich offen freuen, dass man gekommen ist und dass es einem dort bei ihnen gefällt. Als seien sie jahrzehntelang ausgedürstet nach Aufmerksamkeit und Respekt von Menschen wie uns.

Kind im Flugzeug von Kalay

In viele Landesteile kommt man in der verfügbaren Zeit leider nur im Flugzeug. Das ist immer ein Konflikt. Rechtfertigt der Nutzen den Schaden?

Novize bei Pyin Oo LwinIn der Nähe von Pyin Oo Lwin habe ich ein Kloster besucht. Der Buddhismus hat hierzulande neben der einfachen Version für die breite Bevölkerung auch sehr theologische Varianten, deren intellektuelle Tiefe weit über irgendwelche Lebensweisheiten hinaus geht und etwa einem Philosophiestudium zu entsprechen scheint.

Ich habe am klösterlichen Leben nicht teilgenommen und vielmehr wie die dortigen Laien gelebt, allerdings in einem eigenen kleinen Gästehaus. Das Essen wird von den umliegenden Dörfern gespendet oder in der Klosterküche gekocht.
Kloster bei Pyin Oo Lwin

Japan

Gleich im Anschluss an meine Dienstreise bin ich nach Japan weiter geflogen. Die Zeit dort war eigentlich sehr knapp, da ich insgesamt nicht länger als einen Monat unterwegs bleiben konnte.

Japan war ein beeindruckendes, prägendes Erlebnis. Es war sehr viel unspektakulärer, als ich es erwartet hatte. Statt dessen hatte ich schnell das Gefühl, dort zu Hause zu sein – und das trotz meiner extrem unterentwickelten Sprachkenntnisse.

Bäckerei Frau Pilz in KyotoJapan ist sehr auf die westliche Kultur eingestellt. Man hat gewissermaßen die gesamten vorderen Zimmer ausgeräumt, um dort für etwas Platz zu machen, das sehr amerikanisch ist – mit der Ausnahme von europäischen Bäckereien. Als Fremder lässt man sich oft zu der Annahme verführen, dass hier ja doch alles so sei wie bei uns – nur eine Spur greller und moderner. Aber das ursprünglich Japanische hat nicht nur in Tempeln und Pagoden überlebt, sondern auch in der Mentalität und in den Fundamenten des Miteinanders.

Der Aufbau einer Sprache sagt gewöhnlich viel über eine Kultur aus. Im Japanischen gibt es viele Möglichkeiten, etwas indirekt zu sagen, es kunstvoll auszulassen, es gibt viele Möglichkeiten, Respekt zu erweisen oder zu verweigern. Es ist alles sehr filigran und zweckdienlich. Überhaupt wird in Japan oft die einfachste Tätigkeit schnell zur Wissenschaft ausgebaut. Hier ist der Wert von Wissen sehr viel höher als bei uns, wo – nach meinem bisherigen Eindruck – Werte wie Intuition, das berühmte „Frechheit siegt“ und die Betrachtung von Jugend als einen Vorzug vor dem Alter sehr viel höher gehandelt werden.

Mich erstaunt aber, wie nachlässig die Japaner trotzdem oft mit ihren Ressourcen umzugehen scheinen. Das fängt mit Energieverbrauch und der Menge an umweltschädlichen Plastikverpackungen an und geht hin bis zum Verlust ihres angestammten Wortschatzes zugunsten von englischen Lehnwörtern.

Auf meiner ersten Fahrt habe ich nur Tokyo, Kyoto und Hiroshima gesehen. Tokyo ist für mich die Stadt des 転々, Kyoto die Stadt der Kultur (und vieler wunderschöner Szenerien) und Hiroshima die liebenswerte Stadt meiner Brieffreundin.

Selbst die Krebse in einem Park sehen hier farbenfroher aus.

Krabbe in Hiroshima

In manchen Gegenden fühlte ich mich an das Mittelmeer erinnert. Das sind Déjà-vus von einer schönen Reise nach Griechenland nach meinem Abitur.

Der Fushimi-Inari Taisha in Kyoto war sehr von Touristen überlaufen. Für mich war es aber ein besonderer Höhepunkt, da ich ein Bild davon auf der Eingangsseite meines ersten Blogs – also genau hier – präsentiert hatte. Ein Eingang, den ich nun, nach rund 25 Jahren Interesse an japanischer Kultur, endlich persönlich durchschreiten konnte.

Fushimi Inari Taisha

Was ich seit meiner Rückkehr nach Europa mit am meisten vermisse, sind diese vielen Pagoden und Tempelanlagen, die alle eigene Kunstwerke sind. Religiosität ist nicht penetrant, rechthaberisch oder beherrschend, und sie geht eng einher mit einem Streben nach Ästhetik und der Harmonie mit den natürlichen Gegebenheiten vor Ort.

Philosophenweg in Kyoto

Hier in Prag fehlen mir diese Orte der Ruhe und der Verehrung überweltlicher Werte. Stattdessen feiert man in einem nationalistischen Atheismus oft nur sich selbst.

Japanische Fortsetzung

Ob ich noch einmal nach Birma reisen werde, hängt wohl nicht zuletzt auch von den beruflichen Aufgaben ab. Japan dagegen hat sich bereits fest in meinem Leben etabliert.

Hiroshima

Show 2 footnotes

  1. Als Schwerverletzter stundenlang im „Taxi“ über holprige Wege in die nächste „Klinik“ gebracht zu werden kann kein Vergnügen sein.
  2. Man baut sich jahrzehntelang etwas auf, und dann kommt jemand, und nimmt es einem weg. Und man kann nichts dagegen machen. Wer sich aufregt, kommt ins Gefängnis.

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