Aikido
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Zurück zu den Kihon in Aikido

Takemori Sensei, Berlin 2017

Kürzlich hatte ich das erste Mal die Gelegenheit gehabt, an einem Seminar von Takemori Sensei teilzunehmen. Als langjähriger Uke von Nishio Sensei konnte er reichhaltige Erfahrungen aus erster Hand und zudem viel Hintergrundwissen bieten, an das man in Europa sonst nicht so leicht herankommt.

Mir hat das Seminar ausgezeichnet gefallen. Unter anderem war sein Iaido überzeugend. Bei einigen anderen Lehrern hatte mich manchmal abgeschreckt, dass sie etwas ungewöhnliche Varianten entwickeln, deren Motivation oft unklar bleibt. Viele Lehrer glänzen darin, wie schnell sie verschiedene Schnitte ausführen können und wie raffiniert ihre Körperpositionen sind, allerdings dann, wie ich meine, auf Kosten der flüssigen Gesamtbewegung oder einer notwendigen Reduktion auf das Notwendige. So gesehen war Takemori Senseis Iaido konsistent und ehrlich, also ohne Schnörkel oder „Special Effects“.

Takemori Sensei legt großen Wert darauf, selbst einfache Bewegungen solide zu erlernen und häufig zu üben. Es erinnert mich stark an Shinto Muso Ryu, wo man die Kihon beherrschen und sehr oft wiederholen muss, um nicht Fehler zu entwickeln, die sich dann festsetzen und die Entwicklung in eine falsche Richtung lenken. Bei vielen Aikidolehrern dagegen herrscht die Auffassung vor, dass man Fehler später immer noch korrigieren könne.

Bezeichnend fand ich etwa die Übung von Zagi Kokyoho: Man könne Uke zwar mit technischen Tricks aus der Balance bringen, erklärte Sensei, aber damit brächte man sich um den Sinn der Übung. Denn eigentlich soll man ja die Kraft durch Atmung aus seinem Zentrum heraus entwickeln. Natürlich funktioniert das zunächst nicht, und man muss viele Jahre sehr häufig üben, bis man es beherrscht, oder überhaupt zu erkennen vermag, ob es nun richtig ist. Kaum jemand von uns übt es aber lange und geduldig, dann zumeist schon nach drei, vier Versuchen wollen wir mit einem Erfolg belohnt werden. Das verleitet dann dazu, „Tricks“ anzuwenden.

Ich füge noch ein paar unsortierte Gedanken hinzu, die mir nach dem Seminar gekommen sind:

  • Europäische Aikidolehrer in der Nachfolge von Nishio Sensei zehren neben den Erfahrungen von seinen Seminaren in Europa auch von diversen Videoaufnahmen.1 Nun habe ich das erste Mal erfahren, dass Nishio Sensei außerhalb Japans eigentliche ein leicht modifiziertes Aikido gezeigt hat. Zum einen hat er sich nämlich an die hiesigen Verhältnisse – also etwa größere Angreifer – angepasst, zum anderen war er zum Zeitpunkt seiner Reisen schon fortgeschrittenen Alters.
    Das bei uns verbreitete Aikido von Nishio Sensei ist darum nicht etwa falsch, aber es ist nur eine Variante unter anderen.
  • Für mich war es immer ein großer Gewinn, andere Lehrer zu erleben. In den Vereinen werden manchmal bestimmte Lehrer schlecht gemacht, weil ihre Persönlichkeit problematisch oder ihre Technik seltsam sei. Selten aber werden einem dabei überzeugende Argumente geliefert. Vielmehr empfinde ich es so, das solche Ausgrenzungsbemühungen am ehesten dem Image desjenigen schaden, der sie betreibt. Ich gehe häufig auf Seminare dieser „Außenseiter“ und es hat mir stets geholfen, mein eigenes Aikido weiter zu entwickeln und etwas zu verstehen, was mir sonst nie möglich gewesen wäre.2

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  1. Daneben gibt es ein paar japanische Lehrer, die entweder das Erbe originalgetreu bewahren wollen oder etwas Eigenes daraus entwickeln.
  2. Natürlich kenne ich auch Lehrer, die ich eher meide, aber dies aufgrund meiner selbst gebildeten Meinung.

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