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Die Begrüßung der Grundschüler

Japan gehört zu den Ländern, die bei mir einen besonderen Eindruck hinterlassen haben. Ich habe viele Erinnerungen an oftmals alltägliche Ereignisse behalten, und viele sind ausgesprochen positiv, auch wenn sie in einer nüchternen Umgebung und in einer Gesellschaft stattgefunden haben, die mir oft zu eng und zu konformistisch ist.

Viele Morgen in Hiroshima waren geprägt von den Lauten, die durch das Fenster herein drangen. Die nahe Grundschule etwa hatte ihr Tor geöffnet, und vor dem Eingang stand der Direktor. Er blieb dort eine geraume Zeit, um nichts anderes zu tun, als die ankommenden Schüler zu begrüßen. Ich hörte immer wieder seine laute Stimme, おはようございます1, und zuweilen auch die Antworten der Schüler mit ihren zarten Stimmchen.

In Japan spielen Hierarchien eine große Rolle. Ein Direktor ist ein Direktor. Zugleich aber gibt es auch dieses Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, wo sich der Verantwortliche mit der typisch japanischen Hingabe der Entwicklung seiner Schüler widmet. Und nicht zuletzt hat kaum eine Kultur den gegenseitigen Respekt zu solch einer Kunst entwickelt wie die japanische.

Wenn also der Chef den winzigen Kindern einen solchen Respekt erweist, dass er ihnen jeden Morgen entgegen kommt, dann macht es auf mich einen besonders starken Eindruck. So etwas hätte in meinen Schulen für Aufsehen gesorgt. Ich habe jetzt noch diese freundliche Stimme des Direktors im Ohr, so als hätte er auch mich in den Tag begrüßt, und dafür bin ich ihm jetzt noch dankbar.

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  1. auf Deutsch nicht ganz präzise wiederzugeben, vielleicht “ohajoogosaimas”, übersetzt “Guten Morgen”