Alle Artikel mit dem Schlagwort: India

Ein Blick zurück

Letzter Tag für dieses Mal. Über Nacht bringt uns das Flugzeug zurück nach Prag, Die Journalisten fliegen später eine andere Route, über Helsinki. Zeit für einen Rückblick. Wir haben so viele Initiativen und Organisationen gesehen, so viele Eindrücke gewinnen können, dass es sich wirklich schwer im Kopf sortieren lässt. Mich wundert daher auch nicht besonders, dass ich ebenso mit meinen Berichten kaum hinterher gekommen bin. Wir haben jungen Journalisten der unabhängigen Medien zugehört, die bereits viel erlebt hatten und die allein für ihre idealistischen Ziele mit solch einer lächelnden Selbstverständlichkeit ungeheure Risiken eingehen, dass mein Leben mit all dem anerzogenen Sicherheitsbedürfnis den Vergleich nicht standhält. Man trifft hier unauffällige Menschen mit beeindruckenden Biographien. Man sieht andererseits auch Großtuer und Schwätzer, auch die gibt es. Viele Flüchtlinge und Aktivisten sind zu stolz um zuzugeben, dass sie noch viel zu lernen haben. Wir haben hier sehr viele herzliche und hilfsbereite Inder erlebt. Gerade gestern auf der Konferenz waren ein paar (ein sehr schnelles Englisch sprechende) Journalisten, die sich den burmesischen Nachbarn verbunden fühlen. „Der indischen Politik zufolge …

Sonntag in Vikaspuri

Nach einer größtenteils durchwachten Nacht fühle ich mich eigentlich wenig imstande, selbst die Erinnerungen der letzten Tage zu sortieren. Vom vergangenen Regen ist  keine Spur mehr zu sehen. Es ist heiß (laut Internet 31 Grad, „Feels like 37°“) und während der Nacht dröhnen Deckenventilator und die Lüftung der Klimaanlage, deren Kühlung wir aus Energiespar- und Lärmgründen ausgeschaltet lassen. Frische Luft kommt trotzdem nicht ins Zimmer, dafür aber winzige Stechmücken, deren Gelächter über unsere wirkungslosen Sprays und Abwehrcremes ich mir gut vorstellen kann. Ich sitze auf dem Balkon, ein paar Meter über dem Gehupe, hin und wieder streicht ein angenehmer Luftzug über meine Arme. Meine Kollegen sind unterwegs in Agra und beim Chefredakteur von Mizzima, Soe Myint, um dort bei der Erstellung einer Radiosendung zuzusehen. Heute Nachmittag werde ich den beiden Redakteuren von Matu Harold News helfen, ihnen eine simple Webpräsenz aufzubauen. Momentan verbreiten sie ihre Zeitung nur als kopierte Exemplare kostenlos an die Matu-Gemeinschaft in Delhi, und per PDF an die Abonnenten einer Newsgroup, was etwa 4000 Empfänger ausmacht, ein paar gedruckte Exemplare gehen ins …

Die Qual der Wahl in Burma

Was wird sich mit den Wahlen, die am 7. November in Burma abgehalten werden, ändern? Politisch nicht viel. Es handelt sich um keine demokratischen Wahlen. Die Sieger stehen bereits fest, die Partei der Junta, die USDF, kann sich als einzige die Anmeldegebühren für Kandidaten in allen Wahlbezirken leisten. Zudem hatte ihre Vorgängerorganisation, die USDA, bereits Bürgermeisterposten und dergleichen kontrolliert. Wer sich mit Marketing auskennt weiß, dass Infrastruktur einen immensen Faktor darstellt. Die Unterstützer der USDF bekommen günstige Kredite, und so wird es wohl nicht überraschen, wenn die völlig verarmte Landbevölkerung, die in Jahrzehnten Diktatur sehr passiv und fatalistisch geworden ist, dann einfach die Partei des Regimes unterstützt. Desweiteren gehören 25% der Sitze im Parlament ohnehin dem Militär. In den Gebieten, wo ethnische Armeen Waffenstillstandsabkommen mit dem Regime geschlossen haben und sich nun weigern, ihre lukrative Autonomie für eine schäbige Rolle als Grenzschutztruppe aufzugeben, werden überhaupt nicht erst Wahlen abgehalten werden. Sie wurden dort einfach abgesagt. Die politische Opposition, die von Rechts wegen eigentlich gar keine Opposition, sondern Regierung sein sollte, hat sich ins Exil gerettet …

EIN PAAR WORTE ZUM STRASSENVERKEHR IN DELHI

Entschuldigung, dass ich schreie, aber dieses massive Sturmgehupe bei jedem Umspringen der Ampel auf Grün und ein todsicheres Dauerhupen hinter langsamen Rikschafahrern haben wirklich mein Gehör, ja vielleicht sogar meinen Geist  in Mitleidenschaft gezogen: Mir kommt es so vor als habe sich das markdurchdringende Gellen der Hupen so tief in mein Gedächtnis eingebrannt, dass ich es inzwischen selbst nachts und weit weg vom Verkehr wahrnehme. Wenn es ginge, dann würde hier jeder Fahrer mit Sirene und Blaulicht durch die Straßen rasen.

YMCA und DBA, ein verfolgter Parlamentarier, zwei Mönche und zwei verdeckte Journalisten

Das ist nun eine lange Überschrift, nach der mir der Atem nur noch zu einem sehr knappen Bericht reicht. Ich finde nur selten Zeit, mich mit dem Laptop irgendwohin zu setzen und zu schreiben. Die Luft ist schwül, die Hitze eigentlich erträglich und mit zeitweiligen leichten Luftzügen sogar ganz angenehm. Hin und wieder regnet es unvermittelt für eine Stunde. Die abendliche Luft ist voller fingergroßer Libellen. Gestern waren wir zunächst beim YMCA in einer Schule für burmesische Flüchtlingskinder und dann, nach schwierigen Fußwegen an Zelten und Baracken und großen Pfützen entlang, über Kanäle mit weißlichem Abwasser hinweg und zwischen spielenden Kindern, Werkstätten unter freiem Himmel und in ihren Exkrementen und Müllbergen wühlenden Schweinen hindurch, bei DBA, Don Bosco Ashalayam. Dort geht es mehr um berufliche Ausbildung und Requalifizierung für Jugendliche und Erwachsene. Neben diversen Kursen wie Englisch und Computerkenntnissen und einfacher handwerklicher Ausbildung werden dort auch Berufe vermittelt. Das Team von DBA begleitet dann die angestellten Flüchtlinge für einige Zeit und klärt gegebenenfalls auftretende Probleme mit den Arbeitgebern. Sowohl YMCA als auch DBA können ihre …

Sonntag. Regen. Die Gruppe ist komplett.

Auf den Fotos, die uns das Burmese Community Resource Centre in auf der Suche nach Spenden zur Verfügung gestellt hatte, sind etwas ungewohnt anmutende „Winter Sport Games“ zu sehen. Bei dem Wort „Winter“ denke ich automatisch an Schnee – in Delhi eine falsche Assoziation. Die sommerliche Variante heißt hier „Summer Indoor Games“, und dass dieses Sportfest nicht im Freien stattfindet ist nicht verwunderlich angesichts des üblichen Sommerwetters hier in Indien: Es ist heiß, und es ist nass. Der eigentliche Monsun scheint inzwischen schon vorüber zu sein, es regnet nur zuweilen und in europäischen Mengen. Die Straßen sind allerdings vor allem für Fußgänger nur sehr schwer passierbar. Eine weitere Folge, die insbesondere für die ärmere Bevölkerung sehr unangenehm werden kann, ist ein verstärktes Auftreten des Denguefiebers. In den offiziellen Statistiken der Fälle dürften dabei  zahlreiche Flüchtlinge noch gar nicht enthalten sein, da sie durch die Maschen des staatlichen Verwaltungsapparates rutschen. Dies ist sicher eine gute Frage, die ich dem medizinischen Personal in den Einrichtungen für Burmesen stellen werde. Unsere Pension hat sich bislang gut bewährt. Die …

Delhi: B&B von der Größe eines Schlosses

Wohlbehalten eingetroffen, spät nachts. Delhi ist auffallend leer, es ist natürlich warm, schwül, bis gestern soll es stark geregnet haben. Hier und dort hängen Leute herum, einige Arbeiter schlafen in langen Reihen auf Liegen neben der Straße.  Ein Schwein steht auuf der Stadtautobahn. Verlassene Straßenläden. Hunde jagen das Auto. Das Bed and Breakfast in Vikaspuri ist ein treppen- und zimmerreiches Gebäude, mit Zugängen über weitere Treppen und Balkons und Durchgängen zwischen den Zimmern. Gute Nacht erstmal!