Jahr: 2010

Burmablog.net nimmt allmählich Gestalt an

Noch habe ich burmablog.net nicht breit zu propagieren begonnen, mir fehlen dazu noch ein paar Erfahrungsberichte von Bloggern. Bisherige Artikel sind alle von mir – was nicht der Sinn der Sache ist, aber das wird sich hoffentlich noch ändern. Etliche Bugs konnte ich in der letzten Zeit noch ausbügeln, bei den Plugins jedoch bin ich zumeist darauf angewiesen, dass deren Autoren die Fehler beheben. Mal sehen, ob das Projekt irgendwann mal richtig anläuft oder doch nur so etwas wie ein Hobby bleibt.

Seminar: Techniken als Werkstücke

11. Dezember: Aikido-Seminar mit Takashi Kuroki in Rakovník. Besonders interessant fand ich die Seitei-Iai, deren Umwandlung in Aikitoho-Iai durch Nishio Sensei uns dann erläutert wurde – zusammen mit etlichen Erklärungen, die mir das Verständnis diverser Details erleichtern. Kuroki ist ein guter Didaktiker, seine Bewegungen während der Vorführungen wirken wie ein wiederholtes Überarbeiten eines Werkstücks und erinnern oft an das eigene Experimentieren, und sie laden dazu ein, sich stets davon zu überzeugen, dass wirklich alles sitzt und mit der nötigen Konzentration und mit Nachdruck ausgeführt wird. Wie so häufig gilt auch hier die Beobachtung, dass japanische Sensei viel mehr Wert auf korrekte Ausführung und Konzentration legen, während Europäer oft ein Konditionstraining veranstalten, bei dem sich ein gutes Seminar durch die anschließende körperliche Erschöpfung der Teilnehmer auszuzeichnen scheint. Japanische Sensei legen nach meiner Erfahrung mehr Betonung auf Dehn- und Koordinationsübungen, bei denen es keinen großen Unterschied macht, ob man nun ein Muskelprotz ist oder nicht. In der Mittagspause gemeinschaftlich eine geschlagene Stunde in einem Restaurant auf das Essen gewartet. Erstaunlich, wie viele Biere so manche Teilnehmer in …

Zweites Jodo Seminar in Dresden

Veranstaltet von Shinto Muso Ryu Dresden fand am vergangenen Wochenende ein Jodo-Seminar in Dresden statt, das von Pascal Krieger, dem Urgestein des Europäischen Jodo, geleitet wurde. Nicht nur technisch war er überzeugend, so weit ich es als relativer Anfänger zu beurteilen vermag, sondern auch bezüglich Hintergrundwissens. Als Motto des Seminars wählte er das metaphorische Bild, dass man zwei Holzstücke poliert, indem man sie aneinander reibt, und gab auch gleich die Interpretation mit dazu, dass man sich nämlich auch als Lehrer im Lehren vervollkommne. Ich bin am Sonntag schon zur Mittagspause abgezogen, diesmal zwar ohne Rückenschmerzen, aber mit einem Haufen Arbeit vor mir, die bis zum Montagmorgen erledigt sein wollte. Mich erstaunt ja immer wieder, dass meine Kniegelenke noch keine Probleme bereitet haben. Man macht da doch so allerhand Drehungen in gesenkter Haltung und energische Schritte, dass ich da eigentlich schleichende Komplikationen erwartet hätte. Und hin und wieder denke ich mir, dass, analog zum Iaito, größere Menschen eigentlich einen längeren Jo benutzen sollten als kleinere. Wenn ich die Arme in beide Richtungen strecke, dann muss ich …

Unerwartetes Treffen vor dem Abflug

Der Flughafen hat sich sehr verändert. Im Frühjahr letzten Jahres quälte man sich noch durch eine große „Bahnhofshalle“, in der die Völker Indiens ihr Lager bezogen hatten. Heute schreitet man durch glänzende Wunderwerke postkapitalistischer Megalomanie. Vollklimatisierte Hallen in geschickter Beleuchtung, Beton, Glas und Marmor: Neu Delhi hat mit seinem Flughafen Indira Gandhi International den Anschluss an die internationale Gesichtslosigkeit mit Bravour gemeistert. Dann die nächste Erkenntnis: Das Gebäude ist neu, das Personal jedoch ist das selbe geblieben. Niemand erwidert einen Gruß, ein Thank You. Finstere Mienen vom Check-In über die Pass- bis zur Sicherheitskontrolle. An der langen Reihe der Pulte für die Passkontrolle, seitlich hinter den Angestellten, finden sich seltsame Pfosten, auf ihnen Kästchen mit der Aufschrift „Namaskar“. Eine nette Geste, denke ich. Erst später, als ich auf Sabe warte, merke ich, dass diese Kästchen Kameras beherbergen und von jedem am Schalter Stehenden versteckt ein Foto machen. Warum diese Heimlichtuerei? Das Durchleuchten des Handgepäcks geht recht zügig voran. Ich werde abgeklopft und von einem Metallprüfer abgefahren. Dann legt der Mann sein Gerät zur Seite, dreht …

Ein Blick zurück

Letzter Tag für dieses Mal. Über Nacht bringt uns das Flugzeug zurück nach Prag, Die Journalisten fliegen später eine andere Route, über Helsinki. Zeit für einen Rückblick. Wir haben so viele Initiativen und Organisationen gesehen, so viele Eindrücke gewinnen können, dass es sich wirklich schwer im Kopf sortieren lässt. Mich wundert daher auch nicht besonders, dass ich ebenso mit meinen Berichten kaum hinterher gekommen bin. Wir haben jungen Journalisten der unabhängigen Medien zugehört, die bereits viel erlebt hatten und die allein für ihre idealistischen Ziele mit solch einer lächelnden Selbstverständlichkeit ungeheure Risiken eingehen, dass mein Leben mit all dem anerzogenen Sicherheitsbedürfnis den Vergleich nicht standhält. Man trifft hier unauffällige Menschen mit beeindruckenden Biographien. Man sieht andererseits auch Großtuer und Schwätzer, auch die gibt es. Viele Flüchtlinge und Aktivisten sind zu stolz um zuzugeben, dass sie noch viel zu lernen haben. Wir haben hier sehr viele herzliche und hilfsbereite Inder erlebt. Gerade gestern auf der Konferenz waren ein paar (ein sehr schnelles Englisch sprechende) Journalisten, die sich den burmesischen Nachbarn verbunden fühlen. „Der indischen Politik zufolge …

Sonntag in Vikaspuri

Nach einer größtenteils durchwachten Nacht fühle ich mich eigentlich wenig imstande, selbst die Erinnerungen der letzten Tage zu sortieren. Vom vergangenen Regen ist  keine Spur mehr zu sehen. Es ist heiß (laut Internet 31 Grad, „Feels like 37°“) und während der Nacht dröhnen Deckenventilator und die Lüftung der Klimaanlage, deren Kühlung wir aus Energiespar- und Lärmgründen ausgeschaltet lassen. Frische Luft kommt trotzdem nicht ins Zimmer, dafür aber winzige Stechmücken, deren Gelächter über unsere wirkungslosen Sprays und Abwehrcremes ich mir gut vorstellen kann. Ich sitze auf dem Balkon, ein paar Meter über dem Gehupe, hin und wieder streicht ein angenehmer Luftzug über meine Arme. Meine Kollegen sind unterwegs in Agra und beim Chefredakteur von Mizzima, Soe Myint, um dort bei der Erstellung einer Radiosendung zuzusehen. Heute Nachmittag werde ich den beiden Redakteuren von Matu Harold News helfen, ihnen eine simple Webpräsenz aufzubauen. Momentan verbreiten sie ihre Zeitung nur als kopierte Exemplare kostenlos an die Matu-Gemeinschaft in Delhi, und per PDF an die Abonnenten einer Newsgroup, was etwa 4000 Empfänger ausmacht, ein paar gedruckte Exemplare gehen ins …