Alle Artikel mit dem Schlagwort: Demokratie

Happy World – ein genialer Film über das absurde Birma

Angesichts der katastrophalen Menschenrechtslage in Birma vergisst man immer wieder, wie absurd sehr vieles dort eigentlich ist. Angefangen mit den Geldscheinen, deren Werte für einige Zeit lang Vielfache der Zahl Neun waren, über kostspielige Entscheidungen auf Staatsebene, die auf Anraten von Astrologen gefällt wurden, bis hin zu abergläubischen Versuchen, die Macht von Suu Kyi zu neutralisieren1 – es braucht den scharfen Blick und den Humor von Gaël Bordier und Tristan Mendès-France, um diese komischen Seiten so treffend darzustellen, wie hier in dem Film geschehen. Der Title, der sich von dem Namen eines dortigen „Vergnügungsparks“ ableitet und der höchst ironisch die Propaganda des Regimes zu zitieren scheint, wenn er von einer Glücklichen Welt spricht, ist meiner Ansicht nach ebenso gut gewählt. Nach ein paar offenbar erfolglosen Versuchen, den Film auf den Markt zu werfen2, steht er nun als multimediales und interaktives Projekt zur Verfügung:   Für diejenigen, die der Hintergrund von „Happy World“ interessiert, hier noch ein kurzes Interview mit den Machern – mit netter Pointe am Schluss: Gelungen ist auch der „Censurator„, wo man für …

Der Schuss auf die Mönche: Wie Kameras unser Verhältnis zu Burma bestimmen

(Erstabdruck im Jahrbuch Friedenskultur 2008) Hatte die visuelle Entsprechung zum Begriff Burma1 in unserem Kulturraum bislang vor allem in exotisch schönen Fotos der Reiseprospekte bestanden, so hat sich dieses Land spätestens seit der „Safranrevolution“ und dem Zyklon „Nargis“ vom touristischen zum überwiegend journalistischen Produkt gewandelt. So interessant das Phänomen Burma aus medienwissenschaftlicher Sicht ist, so bestürzend sind aber auch die Implikationen, wenn wir an die Schicksale einiger Millionen Burmesen denken. Aufschlussreich dürfte zudem sein, was diese Mechanismen für globales gesellschaftliches Engagement im allgemeinen bedeuten. Burma gehört dabei entgegen einiger Klischees durchaus nicht zu den Ländern, das moderne Kulturtechniken erst zu lernen bräuchte. Das Zeitungswesen etwa kann dort eine weit zurückreichende Tradition vorweisen, die sich auch außerhalb der britischen Kolonien in vielfachen Formen manifestierte. Dies ist nicht verwunderlich angesichts der hohen Alphabetisierung, die das Land einer ursprünglich in klösterliche Lebensweise eingebetteten Schulausbildung verdankt. Als vielleicht interessantester Indikator einer frühen burmesischen Presselandschaft ist ein Gesetz zu nennen, das am 15. August 1873 von König Mindon erlassen wurde und das in 17 Artikeln etwas garantierte, was wir heute …

Zehn Schritte zurück, einen Schritt vor

Der bekannte burmesische Blogger Nay Phone Latt muss nun voraussichtlich nicht 20 Jahre dafür absitzen, dass er sich kritisch über das Regime geäußert hat. Dieses nämlich erlässt ihm einen Teil der Strafe, wie in den Medien berichtet wird. Dieser Schritt geschieht etwa zeitgleich mit einer Amnestie für einige tausend Gefangene, unter denen aber nur etwa 0,1 Prozent politische Gefangene sind, die also für ein kritisches Wort, einen der Zensur entwischten Artikel, Kontakt mit ausländischen Medien, Demonstrationen, unerlaubtes Erstellen von Webseiten oder den Besitz von Kameras oder einfach nur für Hilfeleistung zu Zeiten von Nargis eingesperrt wurden. Der Zeitpunkt dieses kleinen Schrittes voran, der die bisherigen zehn Schritte zurück wohl kaum aufzuwiegen vermag, bestärkt durch den gerade abgeschlossenen Besuch des UN-Menschenrechtsexperten Tomas Ojea Quintana einmal mehr den Befund, dass es sich bei seinen Planern um routinierte, wenngleich auch nicht sonderlich phantasiebegabte, Militärstrategen handelt. Die neue US-Regierung sinniert über einen Kurswandel, der wirtschaftliche Investitionen in Burma bedeuten könnte, wofür die Junta sicherlich nicht mehr zu tun bräuchte, als einmal mehr ihre potemkinschen Dörfer aus der Requisitenkiste zu …