Alle Artikel mit dem Schlagwort: Iaido

Gedanken über Hilfsdisziplinen im Budo

In Budo ist es nicht ungewöhnlich, dass andere Disziplinen eine – zuweilen unerlässliche – Nebenrolle spielen. Oft sind sie für die Rolle des Angreifers zuständig. So etwa wird der Stock in Jodo traditionell gegen Angriffe mit Katana eingesetzt, weshalb hier grundlegende Kenntnisse in Kenjiutsu wichtig sind. Ganz extrem ist es bei Aikido, das sich ausdrücklich als defensiv definiert und wo der Angriff somit nicht per Aikido-Technik geschehen kann. Der Angreifer benutzt daher Techniken oder Waffen, deren Verwendung zumeist nur am Rande gelehrt wird. Zudem werden in Aikido – je nach Stil und Schule – Jo und Bokken mehr oder wenig dazu verwendet, um die eigenen Techniken, Körperhaltung, Abstände und Bewegungsabläufe zu verstehen und zu verbessern. Gerade in Aikido habe ich da zuweilen einen gewissen Dilettantismus erfahren müssen – bei manchen Lehrern und in Folge dessen auch bei mir selbst. So etwa ging es häufig darum, wie unglaublich scharf japanische Klingen seien und dass bereits eine leichte Berührung mit dem Finger dazu führen muss, ihn von der Hand zu trennen. Ich empfand dies nicht nur für …

Kawashi Tsuki in Rakovník

Gestern und heute war ich mal wieder auf einem Seminar in Rakovník, das, wie gewohnt, ganz hervorragend war, obwohl die Lüftung im Dojo gerade im Sommer und bei Überfüllung sehr zu Wünschen übrig lässt. Der Leiter, Kuroki Sensei, bot uns unter anderem eine neue und interessante Auslegung von Kawashi Tsuki, was der Technik Sankyo nach dem Angriff Tsuki entspricht. Hier in der Original-Nishio-Sensei-Version: Kuroki zufolge sei die Technik nicht etwa eine Reaktion auf einen Tsuki-Angriff von Uke. Es sei nämlich sehr unwahrscheinlich, dass Tori in dieser Situation, in der es auf eine schnelle Reaktion ankomme, einen Schritt nach links und dabei diese komplizierte Bewegung mit dem Schwert machen würde. Dies insbesondere, da der Angriff von Tori erst im letzten Moment erkennbar sei. Seiner Meinung nach handele es sich vielmehr darum, dass Uke versucht, Toris Tsuka zu fassen, um damit das Ziehen des Schwertes zu verhindern. Tori entzieht deshalb die Tsuka, indem er sich schnell nach rechts dreht 1. Dann liegt es natürlich nahe, das Schwert zu ziehen 2 und gleich auf Uke gerichtet zu halten. …

Durch die Lücken unseres Geistes

Die Bewegungen von Kuroda Tetsuzan sind wirklich erstaunlich. Präzise und absolut schnell. Da ich (momentan?) kein klassisches Kejutsu/Bujutsu/Iaido mache, kann ich über die Techniken nicht viel sagen. Beeindruckend ist es trotzdem. [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=uJ3BANjtuu0[/youtube] Diese Kampfkunst wird zwar nicht im Geheimen praktiziert, allerdings doch nur sehr begrenzt weiter gegeben, im Kern immer an die Kuroda-Familie gebunden. Ich stelle es mir wie das krasse Gegenteil von Aikido vor, das ja nun wirklich in seiner Ausbreitung die größtmöglichen Variationen entwickelt hat und wo der bloße Name noch nicht für eine bestimmte Ausführung der Techniken oder eine bestimmte Grundauffassung bürgt. Dann ein Stück, das wie ein Mitschnitt einer Trainingsstunde aussieht. Meine Empfehlung: Die Kata ab 1’50“ ansehen. Bei 1’53“ ist Kuroda Sensei dermaßen schnell, dass es mir nicht gelingt, seine komplexe Bewegung zu erfassen! (Man sieht sie aber dann woanders langsamer.) [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=lfqjFRb6UTI[/youtube] Und weil es so überirdisch ist, hier noch eine kleine Kuriosität. Etwa bei 2’20“ fängt im nächsten Film eine Demonstration an, die auf mich etwa so wirkt wie wenn man den Arm zu einer Peitsche umfunktioniert, an dessen …

Seminar: Techniken als Werkstücke

11. Dezember: Aikido-Seminar mit Takashi Kuroki in Rakovník. Besonders interessant fand ich die Seitei-Iai, deren Umwandlung in Aikitoho-Iai durch Nishio Sensei uns dann erläutert wurde – zusammen mit etlichen Erklärungen, die mir das Verständnis diverser Details erleichtern. Kuroki ist ein guter Didaktiker, seine Bewegungen während der Vorführungen wirken wie ein wiederholtes Überarbeiten eines Werkstücks und erinnern oft an das eigene Experimentieren, und sie laden dazu ein, sich stets davon zu überzeugen, dass wirklich alles sitzt und mit der nötigen Konzentration und mit Nachdruck ausgeführt wird. Wie so häufig gilt auch hier die Beobachtung, dass japanische Sensei viel mehr Wert auf korrekte Ausführung und Konzentration legen, während Europäer oft ein Konditionstraining veranstalten, bei dem sich ein gutes Seminar durch die anschließende körperliche Erschöpfung der Teilnehmer auszuzeichnen scheint. Japanische Sensei legen nach meiner Erfahrung mehr Betonung auf Dehn- und Koordinationsübungen, bei denen es keinen großen Unterschied macht, ob man nun ein Muskelprotz ist oder nicht. In der Mittagspause gemeinschaftlich eine geschlagene Stunde in einem Restaurant auf das Essen gewartet. Erstaunlich, wie viele Biere so manche Teilnehmer in …