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Die Begrüßung der Grundschüler

Japan gehört zu den Ländern, die bei mir einen besonderen Eindruck hinterlassen haben. Ich habe viele Erinnerungen an oftmals alltägliche Ereignisse behalten, und viele sind ausgesprochen positiv, auch wenn sie in einer nüchternen Umgebung und in einer Gesellschaft stattgefunden haben, die mir oft zu eng und zu konformistisch ist. Viele Morgen in Hiroshima waren geprägt von den Lauten, die durch das Fenster herein drangen. Die nahe Grundschule etwa hatte ihr Tor geöffnet, und vor dem Eingang stand der Direktor. Er blieb dort eine geraume Zeit, um nichts anderes zu tun, als die ankommenden Schüler zu begrüßen. Ich hörte immer wieder seine laute Stimme, おはようございます1, und zuweilen auch die Antworten der Schüler mit ihren zarten Stimmchen. In Japan spielen Hierarchien eine große Rolle. Ein Direktor ist ein Direktor. Zugleich aber gibt es auch dieses Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, wo sich der Verantwortliche mit der typisch japanischen Hingabe der Entwicklung seiner Schüler widmet. Und nicht zuletzt hat kaum eine Kultur den gegenseitigen Respekt zu solch einer Kunst entwickelt wie die japanische. Wenn also der Chef den …

Dünen von Tottori

Hiroshima und Tottori

In diesem Beitrag geht es nur um verstreute Eindrücke dieser Reise. Sakaiminato Sakaiminato ist ein kleines Hafenstädtchen an der Nordwestküste in Richtung Korea und China. Hier ist alles geprägt vom Werk des Manga-Autors Shigeru Mizuki, der hier geboren wurde. Ohne ihn wäre der Ort wohl ziemlich bedeutungslos. Manga reicht in Japan vom billigen Massenprodukt bis hin zu Kunst. Die Bandbreite ist erstaunlich. Tottori Der existenzialistisch geprägte Klassiker “Die Frau in den Dünen” (“Sandfrau” im Original) – hier der Film – hat meine Erwartungen an diese Sandlandschaft geprägt. Letztendlich sind die Dünen aber flacher und vielleicht weniger problematisch als im Film. Der Strand ist leider von einem Ende zum anderen durch Treibgut aus Plastik vermüllt. Hier begreift man erst, wie ernst das Problem der Verschmutzung der Meere ist. Misasa Dem Namen nach ein dreifacher Morgen. Heiße Quellen ermöglichen den Betrieb von Onsen, also heißen Bädern. Kurayoshi Kurayoshi bietet eine hübsche Altstadt, die von Kanälen und den weißen Gebäuden der früheren Kaufleute geprägt ist. Ein Stück weiter befindet sich ein Einkaufszentrum, das zum Teil stillgelegt und sehr …

Mitaki 2018, Christoph Amthor

Magisches Mitaki

Die Tempelanlage Mitaki in Hiroshima verfehlt niemals seine Wirkung. Diesmal im November verfärbten sich die Blätter bereits von grün nach rot. Jenseits des höchsten Wasserfalls führt ein Pfad über einen kleinen Staudamm hinweg in einen Bambushain. Der Weg schlängelt sich eine ganze Weile bergan. Nur gut, dass es nicht sehr heiß war. Wir sind nicht ganz bis zum Gipfel des Berges Mitaki gegangen. Irgendwo sah man den nächsten Ortsteil, und hier war Mitaki für uns eigentlich schon zu Ende. Also sind wir wieder hinab gestiegen. Anschließend waren wir wieder in dem Café oberhalb des Karpfenteichs, wo wir Warabimochi aßen. Ein kleiner japanischer Junge brach laut in Tränen aus und wurde hinaus geführt, als die Bedienung den Eltern erklärt hatte, dass heute nicht viele Karpfen zu sehen seien. Ich hätte eher geweint, wenn es keinen Kaffee mehr gegeben hätte. Verschiedene Kulturen, verschiedene Präferenzen. (Images in this post are copyright protected.)