Autor: Christoph Amthor

Eine kurze Betrachtung des Fremden in Prag

Prag. Wenn ich über Prag nachdenke, muss ich zuerst eine dicke Schicht an Kitsch beiseite schieben, die von wohlmeinenden Besuchern, Suchenden nach einer heilen Welt auf Böhmisch, und auch den Einheimischen in einer erfolgreichen Selbststilisierung angereichert wurde. Wenn man Bier, Knödeln, Weihnachtsmärkten und einer etwas verschrobene Lebensart, ähnlich dem bayerischen „Mir san mir“, eine Absage erteilt, hat man sich schon überall Feinde gemacht. Böhmen ist so eine Art unantastbares Elysium. Prag ist eine Großstadt, Hauptstadt, Metropole. Daran will ich es messen, nicht an Švejk-Bierstuben und den ewigen Promofotos von der Burg im Morgendunst, Idylle über Idylle, und alles ist nicht nur schön, es ist das Schönste der Welt, wie auch das tschechische Bier das beste Bier der Welt sein muss, sonst ist alles verloren. Mir geht es gar nicht darum, irgendwelche Ranglisten umzustoßen, sondern einfach diese Notwendigkeit, die Nummer Eins zu sein, und zwar die Nummer Eins als Dogma. Da wird nichts Anderes probiert, da wird auch nicht die alternative Meinung willkommen geheißen, weil sie von einer Vielfalt zeugt und von der Bevorzugung der Menschen …

Fushimi Inari Taisha

Birma und Japan – eine Nachschau

Diesen Beitrag habe ich vor rund einem Jahr begonnen, aber aus irgendwelchen Gründen nicht fertig gestellt. Ich erinnere mich nicht mehr an diese Gründe, aber doch an die Eindrücke, die mich überhaupt zum Schreiben veranlasst hatten. Auslöser war eine Dienstreise nach Birma (Myanmar) und, im Anschluss daran, meine überhaupt erste Reise nach Japan. Diese zwei Orte in Asien sind voneinander völlig verschieden, aber beide haben stets einen starken Eindruck hinterlassen, der für mich wie kaum ein anderer so prägend war, dass er meinem Leben eine neue Richtung gegeben hat. Birma (Myanmar) Selbst nach einigen Reisen hat dieses Land immer noch einen ganz eigenen Zauber. Es ist aber auch ein Land der Gegensätze. Gerade wenn man beruflich nach Birma fährt, um dort den Menschen zu helfen, dann sieht man nicht nur das „goldene“ Land der Reiseprospekte, sondern auch Armut, Gewalt und dergleichen. Die oft als „Romantik“ wahrgenommene Armut und Einfachheit hat nicht viel mit der Realität zu tun. Eine schlechte medizinische Versorgung 1 oder eine kaum existierende Möglichkeit, seine Interessen zu vertreten2, sind nur ein paar …

Bier in Pisa

Shintó Musó Ryú Jódó Gasshuku in Italien

Jodo hat sich zu einer interessanten Ergänzung von Aikido entwickelt. Aikido funktioniert nicht nur intuitiver, sondern auch die Art des Trainings ist eine völlig andere. In Aikido begegnet man ziemlich früh allen möglichen Techniken, und erst allmählich beherrscht man sie immer besser. Das Trainingsklima ist dort eher locker. In Jodo geht es in festgelegten Stufen voran, und bestimmte Lehrer entscheiden, wann man die nächste Stufe versuchen darf. Bei dem Jodo, das ich betreibe, handelt es sich um eine relativ alte Schule1, die aus dem 17. Jahrhundert stammt, dabei Bestandteile2 älterer und jüngerer Schulen integriert und hin und wieder Veränderungen erfahren hat. Viele Aikidoka glauben fälschlich, dass das, was sie mit dem Jo machen, mehr oder weniger den Kern von Jodo repräsentiere. Die Katas3 des alten Jodo sind aber völlig anders, zudem wird ein sehr viel größeres Gewicht darauf gelegt, die Handhabung von Ken und Jo und allgemeine Prinzipien zu beherrschen. Zum Beispiel wird lange ein relativ simpel erscheinender Schlag geübt, der ursprünglich auf die Schläfe des Angreifers zielt, heute natürlich aber nur das Schwert trifft. …

Sprachverwirrung und Unzuständigkeit

Supportanfrage an Huawei, auf Englisch. Bei unserem neuen Router kann ich in der Administration eine bestimmte Funktion nicht finden, also möchte ich gern wissen, ob es sie überhaupt gibt. Auf der Webseite von Huawei muss ich für die Übermittlung der Anfrage zunächst eine Region auswählen. Wir haben unser Büro in Prag, und zudem haben wir das Gerät vom tschechischen Vodafone bekommen: Also wähle ich „Czech Republic“.

Symbolischer Neuanfang

Mein erster aktiver Kontakt mit Budo war Anfang 1994, als ich in England Aikido begann. Nach etlichen Wechseln von Wohnorten und Stilrichtungen bin ich schließlich im Herbst 2008 in einem Prager Verein gelandet, wo ich Nishio Senseis Aikido begegnet bin. Zwar habe ich dort ein neues Zuhause gefunden, allerdings zu dem Preis, dass ich fast völlig von vorne beginnen musste. Die Unterschiede zu allem bisher Erlernten waren einfach zu groß, und hinzu kamen noch etliche neue Schwert- und Stockkatas und Aikitoho1. Nach 8 ½ Jahren im neuen Verein und insgesamt rund 17 Jahren habe ich kürzlich die Prüfung zum Shodan abgelegt. Die Erleichterung, es hinter mir zu haben, ist unzweifelhaft. Allerdings kann ich nicht sagen, jetzt besonders in Feierlaune zu sein. Die Erwartungshaltung hat sich in der doch recht langen Zeit einfach abgenutzt, und schließlich stellt sich für mich nun auch die Frage, wofür dieser Titel eigentlich steht. In unserem Dachverband ist unser Verein bekannt dafür, dass er seine Schüler sehr lange warten lässt. Vermutlich liegt dem die Auffassung zugrunde, dass ein langer Zeitabschnitt für …