Autor: Christoph Amthor

Bier in Pisa

Shintó Musó Ryú Jódó Gasshuku in Italien

Jodo hat sich zu einer interessanten Ergänzung von Aikido entwickelt. Aikido funktioniert nicht nur intuitiver, sondern auch die Art des Trainings ist eine völlig andere. In Aikido begegnet man ziemlich früh allen möglichen Techniken, und erst allmählich beherrscht man sie immer besser. Das Trainingsklima ist dort eher locker. In Jodo geht es in festgelegten Stufen voran, und bestimmte Lehrer entscheiden, wann man die nächste Stufe versuchen darf. Bei dem Jodo, das ich betreibe, handelt es sich um eine relativ alte Schule1, die aus dem 17. Jahrhundert stammt, dabei Bestandteile2 älterer und jüngerer Schulen integriert und hin und wieder Veränderungen erfahren hat. Viele Aikidoka glauben fälschlich, dass das, was sie mit dem Jo machen, mehr oder weniger den Kern von Jodo repräsentiere. Die Katas3 des alten Jodo sind aber völlig anders, zudem wird ein sehr viel größeres Gewicht darauf gelegt, die Handhabung von Ken und Jo und allgemeine Prinzipien zu beherrschen. Zum Beispiel wird lange ein relativ simpel erscheinender Schlag geübt, der ursprünglich auf die Schläfe des Angreifers zielt, heute natürlich aber nur das Schwert trifft. …

Sprachverwirrung und Unzuständigkeit

Supportanfrage an Huawei, auf Englisch. Bei unserem neuen Router kann ich in der Administration eine bestimmte Funktion nicht finden, also möchte ich gern wissen, ob es sie überhaupt gibt. Auf der Webseite von Huawei muss ich für die Übermittlung der Anfrage zunächst eine Region auswählen. Wir haben unser Büro in Prag, und zudem haben wir das Gerät vom tschechischen Vodafone bekommen: Also wähle ich „Czech Republic“.

Symbolischer Neuanfang

Mein erster aktiver Kontakt mit Budo war Anfang 1994, als ich in England Aikido begann. Nach etlichen Wechseln von Wohnorten und Stilrichtungen bin ich schließlich im Herbst 2008 in einem Prager Verein gelandet, wo ich Nishio Senseis Aikido begegnet bin. Zwar habe ich dort ein neues Zuhause gefunden, allerdings zu dem Preis, dass ich fast völlig von vorne beginnen musste. Die Unterschiede zu allem bisher Erlernten waren einfach zu groß, und hinzu kamen noch etliche neue Schwert- und Stockkatas und Aikitoho1. Nach 8 ½ Jahren im neuen Verein und insgesamt rund 17 Jahren habe ich kürzlich die Prüfung zum Shodan abgelegt. Die Erleichterung, es hinter mir zu haben, ist unzweifelhaft. Allerdings kann ich nicht sagen, jetzt besonders in Feierlaune zu sein. Die Erwartungshaltung hat sich in der doch recht langen Zeit einfach abgenutzt, und schließlich stellt sich für mich nun auch die Frage, wofür dieser Titel eigentlich steht. In unserem Dachverband ist unser Verein bekannt dafür, dass er seine Schüler sehr lange warten lässt. Vermutlich liegt dem die Auffassung zugrunde, dass ein langer Zeitabschnitt für …

Ehemaliger Hochofen in Ostrava

Ostrava, überraschend

Unter und über der Erde. Beides gleichermaßen beunruhigend, beklemmend, berauschend. Der Mensch neben der rohen Wucht der Maschinen, der Materie. Vor den riesenhaften Anlagen, wie ein gestrandetes, vergangenes Raumschiff, erfasst mich ein fast schon religiöses Erschauern, eine Ehrfurcht vor dem unbekannten Gott der Maschinen. Aus den rostbedeckten Ruinen erhebt sich hier und da etwas absurd Neues, etwas Stahl- und Glasglänzendes, wie Blüten auf einer toten Pflanze.

Prag im Herbst - Tor

Das magische Prag

Prag ist ein Ort der Magie. In kaum einer anderen Stadt trifft man auf eine solche Fülle an bezaubernden Bildern, verborgenen Gassen und Tälern, finden sich prächtige Villen und geheimnisvolle Bauten aus vielen Jahrhunderten, die kaum auf einer Karte zu erfassen sind, geschweige denn in Worten zu beschreiben. Eine Erkundung durch Prag ist ein Unternehmen ohne Ende. Prag birgt somit aber auch die Gefahr, sich hier in den endlosen und atemberaubenden Details zu verlieren und den Rest des Landes nicht mehr wahrzunehmen. Wie der Bote in Kafkas Parabel „Eine Kaiserliche Botschaft“ verliert sich der Betrachter in der labyrinthischen Stadt. Der Bote ist immer unterwegs, und vielleicht würde sein Eintreffen bereits die Botschaft zunichte machen, handelt ihr Inhalt, gesendet vom sterbenden Kaiser, doch vielleicht gerade von der Unendlichkeit.

Shoji Nishio Senseis Aikido

Dieses Video war meine erste Begegnung mit Nishio Sensei. Damals hatte ich noch keine Gelegenheit, diese Form des Aikido persönlich zu erfahren. Die Klarheit und Bestimmtheit seiner Bewegungen ist mir aber dennoch in Erinnerung geblieben. Es drängt mich schon lange, über meine Erfahrungen mit dem von ihm entwickelten Aikido zu schreiben. Es gibt allgemein nur extrem wenige Texte über ihn und sein Aikido. Zumeist handelt es sich um Biographisches und ein paar Interviews. Dann aber stellt es sich immer als extrem schwierig heraus. Es gibt in vielen wesentlichen Aspekten keine mir bekannten Versuche, auf die sich aufbauen ließe. Man trainiert auf hohem Niveau, aber wenn man darüber spricht, ist es zumeist nur unsystematisch und aus dem Stegreif. Ich habe nun zumindest begonnen, das Wichtigste in Worte zu fassen. Ich habe es bereits mehrere Male überarbeitet, und vermutlich wird es noch viel zu ergänzen und zu verbessern geben. Es ist einfach ein Schnappschuss eines unvollendeten Werkes – um einfach mal einen Anfang zu machen. Es versteht sich von selbst, dass es sich um meine persönliche Perspektive …