Alle Artikel in: Budo

Iaito - tsuba

Takemori Sensei in Berlin

Am letzten Wochenende bin ich wieder nach Berlin gefahren, um dort an einem 2,5-tägigen Seminar von Takemori Sensei teilzunehmen. Leider durften wir diesmal keine Videos aufnehmen. Dieses Verbot kenne ich bereits aus anderen Budo-Arten, wo befürchtet wird, dass dadurch etwas Falsches überliefert wird. Zudem könnte wohl auch etwas aufgenommen werden, was gar nichts mit den eigentlichen Techniken zu tun hat. Nach dem letzten Jahr wusste ich schon so ungefähr, was mich erwarten würde. Die Übungen mit dem Schwert waren sehr am ursprünglichen Iaido orientiert, was mir sehr gefällt. Einige andere Lehrer legen bloß Wert darauf, dass sie sehr schnell sind, oder sie vernachlässigen zum Beispiel völlig die Koordination von Armen und Körper. Hier jedoch wurden in Ruhe sehr einfache Bewegungen geübt, um überhaupt die Grundlagen zu erlernen. Sensei legt großen Wert auf Umgangsformen und korrektes Verhalten. Dazu gehört auch die Kleidung. So etwa darf unter dem Hakama keine weiße Hose zu sehen sein – selbst nicht im Sitzen auf einer Bank. Diese Regeln sind sonst oft nur schwer zu erlernen, weil sie im normalen Training …

Takemori Sensei, Berlin 2017

Zurück zu den Kihon in Aikido

Kürzlich hatte ich das erste Mal die Gelegenheit gehabt, an einem Seminar von Takemori Sensei teilzunehmen. Als langjähriger Uke von Nishio Sensei konnte er reichhaltige Erfahrungen aus erster Hand und zudem viel Hintergrundwissen bieten, an das man in Europa sonst nicht so leicht herankommt.

Bier in Pisa

Shintó Musó Ryú Jódó Gasshuku in Italien

Jodo hat sich zu einer interessanten Ergänzung von Aikido entwickelt. Aikido funktioniert nicht nur intuitiver, sondern auch die Art des Trainings ist eine völlig andere. In Aikido begegnet man ziemlich früh allen möglichen Techniken, und erst allmählich beherrscht man sie immer besser. Das Trainingsklima ist dort eher locker. In Jodo geht es in festgelegten Stufen voran, und bestimmte Lehrer entscheiden, wann man die nächste Stufe versuchen darf. Bei dem Jodo, das ich betreibe, handelt es sich um eine relativ alte Schule1, die aus dem 17. Jahrhundert stammt, dabei Bestandteile2 älterer und jüngerer Schulen integriert und hin und wieder Veränderungen erfahren hat. Viele Aikidoka glauben fälschlich, dass das, was sie mit dem Jo machen, mehr oder weniger den Kern von Jodo repräsentiere. Die Katas3 des alten Jodo sind aber völlig anders, zudem wird ein sehr viel größeres Gewicht darauf gelegt, die Handhabung von Ken und Jo und allgemeine Prinzipien zu beherrschen. Zum Beispiel wird lange ein relativ simpel erscheinender Schlag geübt, der ursprünglich auf die Schläfe des Angreifers zielt, heute natürlich aber nur das Schwert trifft. …

Symbolischer Neuanfang

Mein erster aktiver Kontakt mit Budo war Anfang 1994, als ich in England Aikido begann. Nach etlichen Wechseln von Wohnorten und Stilrichtungen bin ich schließlich im Herbst 2008 in einem Prager Verein gelandet, wo ich Nishio Senseis Aikido begegnet bin. Zwar habe ich dort ein neues Zuhause gefunden, allerdings zu dem Preis, dass ich fast völlig von vorne beginnen musste. Die Unterschiede zu allem bisher Erlernten waren einfach zu groß, und hinzu kamen noch etliche neue Schwert- und Stockkatas und Aikitoho1. Nach 8 ½ Jahren im neuen Verein und insgesamt rund 17 Jahren habe ich kürzlich die Prüfung zum Shodan abgelegt. Die Erleichterung, es hinter mir zu haben, ist unzweifelhaft. Allerdings kann ich nicht sagen, jetzt besonders in Feierlaune zu sein. Die Erwartungshaltung hat sich in der doch recht langen Zeit einfach abgenutzt, und schließlich stellt sich für mich nun auch die Frage, wofür dieser Titel eigentlich steht. In unserem Dachverband ist unser Verein bekannt dafür, dass er seine Schüler sehr lange warten lässt. Vermutlich liegt dem die Auffassung zugrunde, dass ein langer Zeitabschnitt für …

Gedanken über Hilfsdisziplinen im Budo

In Budo ist es nicht ungewöhnlich, dass andere Disziplinen eine – zuweilen unerlässliche – Nebenrolle spielen. Oft sind sie für die Rolle des Angreifers zuständig. So etwa wird der Stock in Jodo traditionell gegen Angriffe mit Katana eingesetzt, weshalb hier grundlegende Kenntnisse in Kenjiutsu wichtig sind. Ganz extrem ist es bei Aikido, das sich ausdrücklich als defensiv definiert und wo der Angriff somit nicht per Aikido-Technik geschehen kann. Der Angreifer benutzt daher Techniken oder Waffen, deren Verwendung zumeist nur am Rande gelehrt wird. Zudem werden in Aikido – je nach Stil und Schule – Jo und Bokken mehr oder wenig dazu verwendet, um die eigenen Techniken, Körperhaltung, Abstände und Bewegungsabläufe zu verstehen und zu verbessern. Gerade in Aikido habe ich da zuweilen einen gewissen Dilettantismus erfahren müssen – bei manchen Lehrern und in Folge dessen auch bei mir selbst. So etwa ging es häufig darum, wie unglaublich scharf japanische Klingen seien und dass bereits eine leichte Berührung mit dem Finger dazu führen muss, ihn von der Hand zu trennen. Ich empfand dies nicht nur für …

Kreisende Bewegungen: Rückblick auf ein Seminar

Einfach ein schöner Zusammenschnitt eines Seminars in Prag (und anschließend Rakovník), bei dem man auch die didaktische Methodik erleben kann. Selbst im Video noch faszinierend, und ein bisschen willkommene Bequemlichkeit heute nach den 4 1/2 Tagen Aikido-Seminar mit Yoshida Sensei (teils mit gesundheitsbedingter Vertretung) in einem schwülwarmen Dojo in Hořice und dem Wochenende davor mit Shinto Muso Ryu in Tachov.

Dojo im Grünen - Bild von rebeccaseung@Flickr

Wie erklärt man Budo? Ein Versuch

Es ist extrem schwierig, etwas wie Budo einem Außenstehenden zu erklären. Erst indem man es selbst teilnehmend – also gebend und nehmend – erfährt, gewinnt man einen Schatz an Bedeutungen, die allein allerdings noch kaum in Sprache zu übersetzen sind. Vielleicht liegt es daran, dass Budo selbst eine Art von Sprache ist, die im Dialog oder Selbstgespräch mit Geist und Körper vollzogen, realisiert und erlernt wird. Ich betrachte den Kern des Budo (so verstanden, wie es mich interessiert) nicht primär in einer Form der Selbstverteidigung, als etwas Esoterisches, oder als Freizeitbeschäftigung. Ich glaube nicht, dass man auf der Straße oft mit einem Katana angegriffen wird und dann zufällig gerade ein Jo in der Hand trägt. Der Begriff der Selbstfindung trifft es auch nicht völlig, denn er wird oft für Menschen verwendet, die in dem Gefühl leben, sich „verloren“ zu haben und daher suchen müssen, und es schwingt da oft etwas Weltfremdes mit, weshalb ich ihn hier auch nur sehr bedingt verwenden würde. Wie also erklärt man einem Außenstehenden, worum es sich handelt, ohne zugleich Bilder …