Alle Artikel mit dem Schlagwort: Budo

Warum mache ich Budo?

Es gibt Seminare, auf denen sich deutlich Unterschiede in den verschiedenen Motivationen feststellen lassen, warum die Teilnehmer Budo1 machen. In vielen, vielleicht sogar den meisten Budo-Arten lässt sich nicht erwarten, dass sich diese Techniken einmal in der realen Welt einsetzen lassen. Viele von ihnen gehen von einem Kampf mit einem japanischen Schwert oder ähnlichen Waffen aus. Das ist heute nicht ganz realistisch, und so wie ich die meisten Teilnehmer einschätze, sind sie im allgemeinen auch ganz froh darüber. Bei vielen Leuten habe ich das Gefühl, dass sie sich in so eine Art „Softie Samurai“-Rolle hineinträumen, wo sie sich eine Weile stark fühlen dürfen, um dann nach drei Stunden wieder in die Couch sinken zu dürfen. Vielen geht es um das Treffen mit Anderen oder um eine sportliche Betätigung, die sehr viel Geist mit einschließt. Hin und wieder treffe ich auf jemanden, der Budo offenbar als eine Ansammlung von Techniken betrachtet, in der man unentwegt Fehler beseitigt – je mehr, desto besser. Es liegt in der Natur der Sache, dass man nie damit fertig sein wird. …

Takemori Sensei, Berlin 2017

Zurück zu den Kihon in Aikido

Kürzlich hatte ich das erste Mal die Gelegenheit gehabt, an einem Seminar von Takemori Sensei teilzunehmen. Als langjähriger Uke von Nishio Sensei konnte er reichhaltige Erfahrungen aus erster Hand und zudem viel Hintergrundwissen bieten, an das man in Europa sonst nicht so leicht herankommt. Tags Budo Aikido | Budo | Iaido | Kihon | Takemori Sensei

Symbolischer Neuanfang

Mein erster aktiver Kontakt mit Budo war Anfang 1994, als ich in England Aikido begann. Nach etlichen Wechseln von Wohnorten und Stilrichtungen bin ich schließlich im Herbst 2008 in einem Prager Verein gelandet, wo ich Nishio Senseis Aikido begegnet bin. Zwar habe ich dort ein neues Zuhause gefunden, allerdings zu dem Preis, dass ich fast völlig von vorne beginnen musste. Die Unterschiede zu allem bisher Erlernten waren einfach zu groß, und hinzu kamen noch etliche neue Schwert- und Stockkatas und Aikitoho1. Nach 8 ½ Jahren im neuen Verein und insgesamt rund 17 Jahren habe ich kürzlich die Prüfung zum Shodan abgelegt. Die Erleichterung, es hinter mir zu haben, ist unzweifelhaft. Allerdings kann ich nicht sagen, jetzt besonders in Feierlaune zu sein. Die Erwartungshaltung hat sich in der doch recht langen Zeit einfach abgenutzt, und schließlich stellt sich für mich nun auch die Frage, wofür dieser Titel eigentlich steht. In unserem Dachverband ist unser Verein bekannt dafür, dass er seine Schüler sehr lange warten lässt. Vermutlich liegt dem die Auffassung zugrunde, dass ein langer Zeitabschnitt für …

Gedanken über Hilfsdisziplinen im Budo

In Budo ist es nicht ungewöhnlich, dass andere Disziplinen eine – zuweilen unerlässliche – Nebenrolle spielen. Oft sind sie für die Rolle des Angreifers zuständig. So etwa wird der Stock in Jodo traditionell gegen Angriffe mit Katana eingesetzt, weshalb hier grundlegende Kenntnisse in Kenjiutsu wichtig sind. Ganz extrem ist es bei Aikido, das sich ausdrücklich als defensiv definiert und wo der Angriff somit nicht per Aikido-Technik geschehen kann. Der Angreifer benutzt daher Techniken oder Waffen, deren Verwendung zumeist nur am Rande gelehrt wird. Zudem werden in Aikido – je nach Stil und Schule – Jo und Bokken mehr oder wenig dazu verwendet, um die eigenen Techniken, Körperhaltung, Abstände und Bewegungsabläufe zu verstehen und zu verbessern. Gerade in Aikido habe ich da zuweilen einen gewissen Dilettantismus erfahren müssen – bei manchen Lehrern und in Folge dessen auch bei mir selbst. So etwa ging es häufig darum, wie unglaublich scharf japanische Klingen seien und dass bereits eine leichte Berührung mit dem Finger dazu führen muss, ihn von der Hand zu trennen. Ich empfand dies nicht nur für …

Dojo im Grünen - Bild von rebeccaseung@Flickr

Wie erklärt man Budo? Ein Versuch

Es ist extrem schwierig, etwas wie Budo einem Außenstehenden zu erklären. Erst indem man es selbst teilnehmend – also gebend und nehmend – erfährt, gewinnt man einen Schatz an Bedeutungen, die allein allerdings noch kaum in Sprache zu übersetzen sind. Vielleicht liegt es daran, dass Budo selbst eine Art von Sprache ist, die im Dialog oder Selbstgespräch mit Geist und Körper vollzogen, realisiert und erlernt wird. Ich betrachte den Kern des Budo (so verstanden, wie es mich interessiert) nicht primär in einer Form der Selbstverteidigung, als etwas Esoterisches, oder als Freizeitbeschäftigung. Ich glaube nicht, dass man auf der Straße oft mit einem Katana angegriffen wird und dann zufällig gerade ein Jo in der Hand trägt. Der Begriff der Selbstfindung trifft es auch nicht völlig, denn er wird oft für Menschen verwendet, die in dem Gefühl leben, sich „verloren“ zu haben und daher suchen müssen, und es schwingt da oft etwas Weltfremdes mit, weshalb ich ihn hier auch nur sehr bedingt verwenden würde. Wie also erklärt man einem Außenstehenden, worum es sich handelt, ohne zugleich Bilder …

Kokyu Nage

Eine andere Form des Lernens

Ich schreibe ein paar Beobachtungen und Gedanken nieder, die eigentlich nichts mit dem Inhalt von Budo zu tun haben, sondern mit dem Aspekt des Lernens. 1. Lernen als Bedingung und Folge des Könnens Ich habe in Jodo und Aikido zwei völlig verschiedene Formen des Lernens erfahren, und beide eher ungewöhnlich für die westliche Kultur. Gelehrt wird nicht durch das Vermitteln abstrakter Regeln. Das Beherrschen einer Technik folgt nicht ihrem Verstehen, sondern umgekehrt. Gerade in Shinto Muso Ryo werden bis ins kleinste Detail festgelegte, stark formalisierte und eigentlich unrealistische Bewegungsabläufe wiederholt und perfektioniert. Der Lernvorgang besteht dabei aus einem Hintereinander von vielen Stufen, von denen der Schüler immer eine hinreichend gut abgeschlossen haben muss, bevor er die nächste beginnen kann. Zunächst wirkt es wie ein stumpfsinniges Auswendiglernen, aber gerade im Nachvollziehen dieser Bewegungen und im Erleben ihrer zunehmenden Vervollkommung entwickelt sich ein Begreifen und Aneignen des Erstrebten. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler ist hier extrem wichtig und nicht so austauschbar wie in anderen Wissensfeldern. Der Lehrer begibt sich zum Lehren auf die Ebene des Schülers …