Monate: April 2015

Die Zumutung eines permanenten virtuellen Nicht-Ichs

Kürzlich ist es schon wieder passiert, dass jemand davon ausging, eine auf Facebook gepostete Nachricht sei mir persönlich zugestellt worden. Immer wieder wird der virtuelle Raum von Netzwerken, die sich im Besitz von Firmen befinden, entweder mit einem allgemeinen öffentlichen oder mit meinem persönlichen privaten Raum verwechselt. Facebook ist nichts von alledem, sondern allenfalls eine disziplinierte Öffentlichkeit mit ein paar Bereichen eingeschränkter Zugänglichkeit. Zuweilen geht es um „private messages“ in dem Facebook-internen Chat, manchmal aber auch Beiträge in Facebook-Gruppen, die dort für mich und andere hinterlegt wurden. Es wäre natürlich möglich, mich regelmäßig anzumelden und nachzusehen, was dort Neues eingetroffen ist, wie es auch möglich wäre, mir die App auf meinem Smartphone zu installieren, so dass ich virtuell immer „dort“ wäre. Mir käme aber gerade diese permanente Anwesenheit so vor, als trüge ich eine elektronische Fußfessel. Zu der Überwachbarkeit mit meiner Einwilligung käme erschwerend auch die permanente Erreichbarkeit hinzu, wann immer ich das Internet benutze. Die Standard-Reaktion von vielen Datenschutz-Extremisten ist nun der Ruf, man solle sich entweder völlig abkoppeln oder zumindest auf bessere Angebote …

Das Geheimnis einer „verspäteten Übergabe aus dem Ausland“

Es ist Freitag, ich sitze im Eurocity 172 von Prag nach Dresden. Die Fahrt ist bisher glatt verlaufen, abgesehen von den zahlreichen Reisenden, die im Gang stehen müssen. Viele Tschechen verlassen Prag über das Wochenende, um am Sonntagabend zurück zu fahren. Dieses Mal sind es besonders viele überzählige Fahrgäste, da der Montag ein Feiertag ist. Während wir im Bahnhof von Děčín halten, ertönt eine Durchsage der tschechischen Zugbegleiterin – dreisprachig, wohlgemerkt: Die Weiterfahrt des Zuges würde sich leider um zwanzig Minuten verzögern, da wir noch auf das deutsche Zugpersonal warten müssten. Ich überlege mir, warum die Übergabe des Zuges nicht einfach im nächsten Bahnhof, in Bad Schandau, stattfinden kann. Die Fahrt dorthin dauert bloß 15 Minuten, also weniger als die angekündigte Verzögerung. Aber vielleicht befand sich der Zug mit dem DB-Personal bereits auf der Strecke zwischen Bad Schandau und Děčín, so dass die einzige Option war, sich auf tschechischer Seite zu treffen. Die Eurocity-Züge sind theoretisch so aufeinander abgestimmt, dass immer zwei entgegen kommende Züge im Grenzbereich aneinander passieren und somit das Personal jeder Bahn …