Alle Artikel mit dem Schlagwort: Menschenrechte

Happy World – ein genialer Film über das absurde Birma

Angesichts der katastrophalen Menschenrechtslage in Birma vergisst man immer wieder, wie absurd sehr vieles dort eigentlich ist. Angefangen mit den Geldscheinen, deren Werte für einige Zeit lang Vielfache der Zahl Neun waren, über kostspielige Entscheidungen auf Staatsebene, die auf Anraten von Astrologen gefällt wurden, bis hin zu abergläubischen Versuchen, die Macht von Suu Kyi zu neutralisieren1 – es braucht den scharfen Blick und den Humor von Gaël Bordier und Tristan Mendès-France, um diese komischen Seiten so treffend darzustellen, wie hier in dem Film geschehen. Der Title, der sich von dem Namen eines dortigen „Vergnügungsparks“ ableitet und der höchst ironisch die Propaganda des Regimes zu zitieren scheint, wenn er von einer Glücklichen Welt spricht, ist meiner Ansicht nach ebenso gut gewählt. Nach ein paar offenbar erfolglosen Versuchen, den Film auf den Markt zu werfen2, steht er nun als multimediales und interaktives Projekt zur Verfügung:   Für diejenigen, die der Hintergrund von „Happy World“ interessiert, hier noch ein kurzes Interview mit den Machern – mit netter Pointe am Schluss: Gelungen ist auch der „Censurator„, wo man für …

Burmas unsichtbare Blogger im Rampenlicht

Und Burma hat es wieder einmal auf den ersten Platz geschafft – in der Rangliste der 10 Worst Countries to be a Blogger. So urteilt das Committee to Protect Journalists (CPJ). Sicherlich orientiert sich diese Negativhitliste an einer maximalen Öffentlichkeitswirksamkeit, was im vorliegenden Fall aber sicher unumgänglich ist, denn wir müssen wohl zugeben, dass ohne solche Anstöße die weggesperrten und „unsichtbar gemachten“ Journalisten und Blogger kaum unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen vermöchten.

Ken Saro-Wiwa versus Shell, posthum

Ein kurzer Themenwechsel: EarthRights International (zuvor auch gegen die Machenschaften von Total und Unocal/Chevron in Burma aktiv) hat anlässlich des beginnenden Prozesses in NYC ein Video zusammengestellt: Es bleibt zu hoffen, dass Ken Saro-Wiwa nicht ein Symbol für die Schwäche von Zivilgesellschaft gegen Konzerne und Militärdiktaturen bleibt. Mehr zu dem Thema findet sich hier.

Kampagne für politische Gefangene in Burma

Das Asienhaus hat sich an die internationale Kampagne zur Freilassung der politischen Gefangenen in Burma angeschlossen, hier ist der Link zur Petition in deutscher Sprache, und hier auf English. Bis zum 24. Mai sollen 888.888 Unterschriften für die Petition an Ban Ki-moon gesammelt werden. An diesem Tag läuft ein weiteres Jahr des Hausarrests von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi aus. Die Anzahl der Unterschriften bezieht sich auf den 8.8.88, den Tag an dem die Militärjunta die Proteste in Burma niederschlug und über 3000 Zivilisten durch das Militär getötet wurden. Bislang hält das Militärregime über 2000 Personen gefangen, allein weil sie sich öffentlich kritisch geäußert, Interviews für ausländische Medien gegeben, die Zensurbehörde verärgert oder Hilfe an die Opfer des Zyklons „Nargis“ geleistet haben.

Zehn Schritte zurück, einen Schritt vor

Der bekannte burmesische Blogger Nay Phone Latt muss nun voraussichtlich nicht 20 Jahre dafür absitzen, dass er sich kritisch über das Regime geäußert hat. Dieses nämlich erlässt ihm einen Teil der Strafe, wie in den Medien berichtet wird. Dieser Schritt geschieht etwa zeitgleich mit einer Amnestie für einige tausend Gefangene, unter denen aber nur etwa 0,1 Prozent politische Gefangene sind, die also für ein kritisches Wort, einen der Zensur entwischten Artikel, Kontakt mit ausländischen Medien, Demonstrationen, unerlaubtes Erstellen von Webseiten oder den Besitz von Kameras oder einfach nur für Hilfeleistung zu Zeiten von Nargis eingesperrt wurden. Der Zeitpunkt dieses kleinen Schrittes voran, der die bisherigen zehn Schritte zurück wohl kaum aufzuwiegen vermag, bestärkt durch den gerade abgeschlossenen Besuch des UN-Menschenrechtsexperten Tomas Ojea Quintana einmal mehr den Befund, dass es sich bei seinen Planern um routinierte, wenngleich auch nicht sonderlich phantasiebegabte, Militärstrategen handelt. Die neue US-Regierung sinniert über einen Kurswandel, der wirtschaftliche Investitionen in Burma bedeuten könnte, wofür die Junta sicherlich nicht mehr zu tun bräuchte, als einmal mehr ihre potemkinschen Dörfer aus der Requisitenkiste zu …