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Die Zumutung eines permanenten virtuellen Nicht-Ichs

Kürzlich ist es schon wieder passiert, dass jemand davon ausging, eine auf Facebook gepostete Nachricht sei mir persönlich zugestellt worden. Immer wieder wird der virtuelle Raum von Netzwerken, die sich im Besitz von Firmen befinden, entweder mit einem allgemeinen öffentlichen oder mit meinem persönlichen privaten Raum verwechselt. Facebook ist nichts von alledem, sondern allenfalls eine disziplinierte Öffentlichkeit mit ein paar Bereichen eingeschränkter Zugänglichkeit. Zuweilen geht es um „private messages“ in dem Facebook-internen Chat, manchmal aber auch Beiträge in Facebook-Gruppen, die dort für mich und andere hinterlegt wurden. Es wäre natürlich möglich, mich regelmäßig anzumelden und nachzusehen, was dort Neues eingetroffen ist, wie es auch möglich wäre, mir die App auf meinem Smartphone zu installieren, so dass ich virtuell immer „dort“ wäre. Mir käme aber gerade diese permanente Anwesenheit so vor, als trüge ich eine elektronische Fußfessel. Zu der Überwachbarkeit mit meiner Einwilligung käme erschwerend auch die permanente Erreichbarkeit hinzu, wann immer ich das Internet benutze. Die Standard-Reaktion von vielen Datenschutz-Extremisten ist nun der Ruf, man solle sich entweder völlig abkoppeln oder zumindest auf bessere Angebote …

Überlegungen und Veränderungen

Gleichzeitig mit der Überlegung, den Blog ein wenig wiederzubeleben, kommt sogleich auch die Erkenntnis, dass Schreiben beträchtlich Zeit kostet. Also beginne ich nun zunächst mit einem neuen Design und einem Foto von meiner Stammkneipe, soweit sich das sagen lässt. Sie liegt auf dem Weg zu meiner Wohnung, hat aber leider oft nicht mehr geöffnet, wenn ich gerade vorbei komme. Bei der Durchsicht alter Bilder auf meinem Laptop fällt mir auf, dass ich vieles bereits auf Facebook veröffentlicht habe. Facebook ist so eine Art soziales Strohfeuer. Ich stelle Fotos und Texte aus, aber ich gestalte nichts. Es gibt freundliche Likes, Kommentare, und dann, nach Monaten und Jahren, verbleiben nur noch Bruchstücke in der Erinnerung – schwer auffindbar und noch viel schwerer in den ursprünglichen Zusammenhang zurückversetzbar. Facebook erinnert mich immer auch an Einkaufszentren, wo sich der Besucher in einer disziplinierten Öffentlichkeit aufhält, um diesen Begriff aus dem politischen Kontext zu entleihen. Diese Öffentlichkeit findet in einer ganz eigenen Topologie statt, und sie definiert sich ihre eigene Zeit, die sehr viel flüchtiger ist als in der physischen …