Alle Artikel mit dem Schlagwort: Indien

Smartphones für Flüchtlinge?

Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser diese Überschrift als etwas empfinden, was schlecht zusammen passt: Smartphones und Flüchtlinge. Flüchtlinge haben, so eine verbreitete Vorstellung in der Mehrheitsgesellschaft, die moralische Pflicht zu einem einfachen Lebensstandard – sonst wären sie keine Flüchtlinge. Diese Bescheidenheit seien sie uns gewissermaßen schuldig. Ein Asylant in einem teuren Auto entspricht nicht unseren Vorstellungen, und oft wollen wir auch nicht, dass jemand aus einem der armen Länder kommt und es ihm dann „besser geht als gut ist“ – oder sogar besser als uns. Die Folge wären sonst Ängste, dass wir unseren materiellen Reichtum teilen müssten und in einen Zustand versetzt würden, mit dem umzugehen wir verlernt haben und den wir als „entwürdigend“ zu betrachten uns angewöhnt haben. Allzu leicht wird dabei vergessen, dass den Flüchtlingsstatus nicht materieller Notstand ausmacht, auch wenn beide oft miteinander einher gehen. Abhilfe besteht dabei oft ganz einfach darin, dass die Betroffenen genügend Möglichkeiten haben, um sich selbst zu helfen. Migranten bilden in vielen Aufnahmeländern wichtige Innovations-Motoren. Wenn auch noch viele andere Faktoren auf allen Seiten mit …

Social Hiking: Evaluating the Experiment

Recently, I posted about Social Hiking and the experiment to use this service for a trip to India. Although I had discovered this service only shortly before departure, I managed to set up the account in short time, with Twitter as main supplier of location data, while Bambuser was supposed to add some moving images. The plan was not so much to draw a gapless route that would document a part of my terrific life, but to experiment with a new way of promoting our work at Burma Center Prague. Particularly travels are ideal opportunities where NGO staff can blog or tweet about their daily work and thus involve their supporters at home and let them virtually participate. Not only that you owe them some degree of transparency, but you also give them the feeling of being right there at the place where their money makes a difference. OK, so much for the theory. As a first result of the experiment, my enthusiasm about Social Hiking has not diminished – and that considering that I’m …

Nachtrag aus Indien

Zwei kurze Filme, die ich im Jahr 2009 mit einem älteren Fotoapparat geschossen habe, warten schon seit einiger Zeit darauf, veröffentlicht zu werden. Da wäre zum einen eine Taxifahrt in Agra, durch weitläufige und erschreckend arme Stadtteile, und zudem mit irgendwelchen Halten bei Touristenfallen. Hier ist nur ein Stück Fahrt über eine Brücke zu sehen: [quicktime]http://www.christoph-amthor.de/wp-content/uploads/2010/05/pict0116.mov[/quicktime]   Dann haben wir die Zugfahrt von Agra zurück nach Delhi: [quicktime]http://www.christoph-amthor.de/wp-content/uploads/2010/05/pict0120.mov[/quicktime]

Ein Blick zurück

Letzter Tag für dieses Mal. Über Nacht bringt uns das Flugzeug zurück nach Prag, Die Journalisten fliegen später eine andere Route, über Helsinki. Zeit für einen Rückblick. Wir haben so viele Initiativen und Organisationen gesehen, so viele Eindrücke gewinnen können, dass es sich wirklich schwer im Kopf sortieren lässt. Mich wundert daher auch nicht besonders, dass ich ebenso mit meinen Berichten kaum hinterher gekommen bin. Wir haben jungen Journalisten der unabhängigen Medien zugehört, die bereits viel erlebt hatten und die allein für ihre idealistischen Ziele mit solch einer lächelnden Selbstverständlichkeit ungeheure Risiken eingehen, dass mein Leben mit all dem anerzogenen Sicherheitsbedürfnis den Vergleich nicht standhält. Man trifft hier unauffällige Menschen mit beeindruckenden Biographien. Man sieht andererseits auch Großtuer und Schwätzer, auch die gibt es. Viele Flüchtlinge und Aktivisten sind zu stolz um zuzugeben, dass sie noch viel zu lernen haben. Wir haben hier sehr viele herzliche und hilfsbereite Inder erlebt. Gerade gestern auf der Konferenz waren ein paar (ein sehr schnelles Englisch sprechende) Journalisten, die sich den burmesischen Nachbarn verbunden fühlen. „Der indischen Politik zufolge …

Sonntag in Vikaspuri

Nach einer größtenteils durchwachten Nacht fühle ich mich eigentlich wenig imstande, selbst die Erinnerungen der letzten Tage zu sortieren. Vom vergangenen Regen ist  keine Spur mehr zu sehen. Es ist heiß (laut Internet 31 Grad, „Feels like 37°“) und während der Nacht dröhnen Deckenventilator und die Lüftung der Klimaanlage, deren Kühlung wir aus Energiespar- und Lärmgründen ausgeschaltet lassen. Frische Luft kommt trotzdem nicht ins Zimmer, dafür aber winzige Stechmücken, deren Gelächter über unsere wirkungslosen Sprays und Abwehrcremes ich mir gut vorstellen kann. Ich sitze auf dem Balkon, ein paar Meter über dem Gehupe, hin und wieder streicht ein angenehmer Luftzug über meine Arme. Meine Kollegen sind unterwegs in Agra und beim Chefredakteur von Mizzima, Soe Myint, um dort bei der Erstellung einer Radiosendung zuzusehen. Heute Nachmittag werde ich den beiden Redakteuren von Matu Harold News helfen, ihnen eine simple Webpräsenz aufzubauen. Momentan verbreiten sie ihre Zeitung nur als kopierte Exemplare kostenlos an die Matu-Gemeinschaft in Delhi, und per PDF an die Abonnenten einer Newsgroup, was etwa 4000 Empfänger ausmacht, ein paar gedruckte Exemplare gehen ins …

Die Qual der Wahl in Burma

Was wird sich mit den Wahlen, die am 7. November in Burma abgehalten werden, ändern? Politisch nicht viel. Es handelt sich um keine demokratischen Wahlen. Die Sieger stehen bereits fest, die Partei der Junta, die USDF, kann sich als einzige die Anmeldegebühren für Kandidaten in allen Wahlbezirken leisten. Zudem hatte ihre Vorgängerorganisation, die USDA, bereits Bürgermeisterposten und dergleichen kontrolliert. Wer sich mit Marketing auskennt weiß, dass Infrastruktur einen immensen Faktor darstellt. Die Unterstützer der USDF bekommen günstige Kredite, und so wird es wohl nicht überraschen, wenn die völlig verarmte Landbevölkerung, die in Jahrzehnten Diktatur sehr passiv und fatalistisch geworden ist, dann einfach die Partei des Regimes unterstützt. Desweiteren gehören 25% der Sitze im Parlament ohnehin dem Militär. In den Gebieten, wo ethnische Armeen Waffenstillstandsabkommen mit dem Regime geschlossen haben und sich nun weigern, ihre lukrative Autonomie für eine schäbige Rolle als Grenzschutztruppe aufzugeben, werden überhaupt nicht erst Wahlen abgehalten werden. Sie wurden dort einfach abgesagt. Die politische Opposition, die von Rechts wegen eigentlich gar keine Opposition, sondern Regierung sein sollte, hat sich ins Exil gerettet …