Alle Artikel mit dem Schlagwort: Social Media

Die Zumutung eines permanenten virtuellen Nicht-Ichs

Kürzlich ist es schon wieder passiert, dass jemand davon ausging, eine auf Facebook gepostete Nachricht sei mir persönlich zugestellt worden. Immer wieder wird der virtuelle Raum von Netzwerken, die sich im Besitz von Firmen befinden, entweder mit einem allgemeinen öffentlichen oder mit meinem persönlichen privaten Raum verwechselt. Facebook ist nichts von alledem, sondern allenfalls eine disziplinierte Öffentlichkeit mit ein paar Bereichen eingeschränkter Zugänglichkeit. Zuweilen geht es um „private messages“ in dem Facebook-internen Chat, manchmal aber auch Beiträge in Facebook-Gruppen, die dort für mich und andere hinterlegt wurden. Es wäre natürlich möglich, mich regelmäßig anzumelden und nachzusehen, was dort Neues eingetroffen ist, wie es auch möglich wäre, mir die App auf meinem Smartphone zu installieren, so dass ich virtuell immer „dort“ wäre. Mir käme aber gerade diese permanente Anwesenheit so vor, als trüge ich eine elektronische Fußfessel. Zu der Überwachbarkeit mit meiner Einwilligung käme erschwerend auch die permanente Erreichbarkeit hinzu, wann immer ich das Internet benutze. Die Standard-Reaktion von vielen Datenschutz-Extremisten ist nun der Ruf, man solle sich entweder völlig abkoppeln oder zumindest auf bessere Angebote …

Smartphones für Flüchtlinge?

Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser diese Überschrift als etwas empfinden, was schlecht zusammen passt: Smartphones und Flüchtlinge. Flüchtlinge haben, so eine verbreitete Vorstellung in der Mehrheitsgesellschaft, die moralische Pflicht zu einem einfachen Lebensstandard – sonst wären sie keine Flüchtlinge. Diese Bescheidenheit seien sie uns gewissermaßen schuldig. Ein Asylant in einem teuren Auto entspricht nicht unseren Vorstellungen, und oft wollen wir auch nicht, dass jemand aus einem der armen Länder kommt und es ihm dann „besser geht als gut ist“ – oder sogar besser als uns. Die Folge wären sonst Ängste, dass wir unseren materiellen Reichtum teilen müssten und in einen Zustand versetzt würden, mit dem umzugehen wir verlernt haben und den wir als „entwürdigend“ zu betrachten uns angewöhnt haben. Allzu leicht wird dabei vergessen, dass den Flüchtlingsstatus nicht materieller Notstand ausmacht, auch wenn beide oft miteinander einher gehen. Abhilfe besteht dabei oft ganz einfach darin, dass die Betroffenen genügend Möglichkeiten haben, um sich selbst zu helfen. Migranten bilden in vielen Aufnahmeländern wichtige Innovations-Motoren. Wenn auch noch viele andere Faktoren auf allen Seiten mit …