Alle Artikel mit dem Schlagwort: Media Studies

Community Informatics als Alternative zum Cyber-Optimismus

Sicherlich ist eine Neuverortung Virtueller Gemeinschaften bezüglich ihrer Bedeutung, Zugänglichkeit und Interaktion mit physischen Gemeinschaften notwendig, da sich das gesamte Forschungsfeld erst noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet und einer Welle von Cyber-Optimismus und -Pessimismus in den 80er und 90er Jahren nun eine Phase mehr pragmatischer Betrachtung folgen kann. Gerade mit Blick auf diasporische Gemeinschaften und Migration sollte unbedingt im Auge behalten werden, dass CMC hier zwar eine sehr wichtige und einzelartige Rolle spielt, dass diese aber ganz eindeutig eine wechselseitige Beziehung zu realweltlicher Kommunikation und sozialer Interaktion eingeht, welche beide Formen verändert, neue Synergien zulässt und sicherlich auch Neues entstehen kann. Es kommt zudem auch meinen persönlichen Vorlieben entgegen, das emanzipatorische Potential dieser Sichtweise zum Nutzen benachteiligter Bevölkerungsgruppen nutzbar zu machen. Im Internet gibt es ein ganzes Buch zum Thema als PDF: Gurstein, M. (2007). What is Community informatics? (And Why Does It Matter), Polimetrica, Milan.

Der Schuss auf die Mönche: Wie Kameras unser Verhältnis zu Burma bestimmen

(Erstabdruck im Jahrbuch Friedenskultur 2008) Hatte die visuelle Entsprechung zum Begriff Burma1 in unserem Kulturraum bislang vor allem in exotisch schönen Fotos der Reiseprospekte bestanden, so hat sich dieses Land spätestens seit der „Safranrevolution“ und dem Zyklon „Nargis“ vom touristischen zum überwiegend journalistischen Produkt gewandelt. So interessant das Phänomen Burma aus medienwissenschaftlicher Sicht ist, so bestürzend sind aber auch die Implikationen, wenn wir an die Schicksale einiger Millionen Burmesen denken. Aufschlussreich dürfte zudem sein, was diese Mechanismen für globales gesellschaftliches Engagement im allgemeinen bedeuten. Burma gehört dabei entgegen einiger Klischees durchaus nicht zu den Ländern, das moderne Kulturtechniken erst zu lernen bräuchte. Das Zeitungswesen etwa kann dort eine weit zurückreichende Tradition vorweisen, die sich auch außerhalb der britischen Kolonien in vielfachen Formen manifestierte. Dies ist nicht verwunderlich angesichts der hohen Alphabetisierung, die das Land einer ursprünglich in klösterliche Lebensweise eingebetteten Schulausbildung verdankt. Als vielleicht interessantester Indikator einer frühen burmesischen Presselandschaft ist ein Gesetz zu nennen, das am 15. August 1873 von König Mindon erlassen wurde und das in 17 Artikeln etwas garantierte, was wir heute …

Ein Neuentwurf des Internet nach alten Ideen

Der Webbrower Opera bringt mit seiner neuen Version ein interessantes Feature: Opera Unite. Damit soll es möglich sein, den Browser auf dem heimischen Computer in einen eigenen Webserver zu verwandeln. Ein wenig inkonsequent klingt allerdings die Kritik an der Konzentration von Webservern in der Hand weniger Firmen, wenn Opera zugleich Opera Turbo einführen möchte. Es handelt sich dabei um eine Komprimierung der Daten (on demand) zwischen Quelle und Nutzer durch einen zwischengeschalteten Proxy-Server. Mit Ausnahme von verschlüsselten Seiten wird dabei der gesamte Internetverkehr über Opera abgewickelt. Nicht nur, dass es hier bei verstärkter Nutzung zu Engpässen kommen kann. Dies bedeutet auch eine erneute Konzentration von Infrastruktur und somit von Nutzungsdaten an einem Ort. Opera has clearly stated none of the statistics they will collect are tied to individual users. (Quelle) Vielleicht gibt es keinen Grund, diesem Versprechen zu misstrauen, aber dennoch widerspricht es der Philosophie von Opera Unite. Konsequenter wäre wohl eine Verstreuung von Proxy-Servern auf eine theoretisch unbegrenzte Zahl von Teilnehmern. Vielleicht wird auch das in Zukunft möglich sein, dass Bekannte für einander als …

Ein erster vorsichtiger Blick auf die Ergebnisse

Für heute lediglich ein paar Zahlen: Die Gesamtzahl der vom Server zurück geschickten Antwortsätze beläuft sich auf 5128 in etwa 16 Monaten. Etwa knapp die Hälfte davon ist leer, vor allem da die zweite Seite, die getrennt geschickt wurde, ohnehin nur für einen Teil der Respondenten gedacht war. Wenn man diese zweiten Teile und offenkundige Spams aussortiert, sowie die Laufzeit zunächst mit März 2009 enden lässt, so bleiben mir noch 2079. Wenn nun desweiteren verlangt wird, dass mindestens 50% der themenbezogenen Fragen beantwortet wurden, so bleiben nur noch 1087. Und wenn darüber hinaus noch die personenbezogenen Fragen zu mindestens 20% beantwortet worden sein sollen, so vermindert sich diese Zahl auf 972. Ich kann nicht verhehlen, dass ich mit einer weitaus geringeren Zahl gerechnet hätte. Zum einen, weil die Zielgruppe sehr als vernetzte Burmesen ziemlich eng definiert ist und ihre Vertreter als Migranten naturgemäß schwerlich in irgendwelchen Verzeichnissen aufgelistet sind. Zum anderen aber auch, weil ich mit einer weitaus größeren Vorsicht gerechnet hatte, mit der die Befragten über ihre Ansichten und Lebensumstände Auskunft geben. Oder vielleicht …

Turing-Test für virtuelle Gemeinschaften?

Neben der Auffassung, dass sich virtuelle Gemeinschaften (wie etwa die Beispiele, die Howard Rheingold erwähnt hat) nicht strikt an die herkömmliche Definition von Gemeinschaften zu halten hätten, um etwa der Kritik zu begegnen, dass es sich bei Online-Communities allenfalls um Gruppen mit gemeinsamen Interessen handle, ist es natürlich auch denkbar, den realweltlichen Gemeinschaftsbegriff weiterhin unverändert als Maßstab anzuwenden. Dies jedoch stellt uns vor das Problem, ein geeignetes Tertium comparationis zu finden, auf dessen Grundlage sich beide Phänomene vergleichen lassen – schließlich wird argumentiert, dass es sich um grundlegend verschiedene Dinge handelt. Anstatt nun aber einen Satz von Kriterien herzustellen und diese auf das digitale Pendent zu übertragen, wäre in Analogie zum Vergleich von menschlicher und künstlicher Intelligenz ein Turing-Test denkbar, der eine äußerliche Ununterscheidbarkeit den Ausschlag geben ließe. Eine Abwandlung des Turing-Tests ist literarisch bereits in dem Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (und im Anschluss daran im Film „Blade Runner„) behandelt worden. Dort handelt es sich um einen Empathietest, bei dem die Probanden physiologisch auf empathiestimulierende Testfragen reagieren, wodurch sich Menschen von anthropomorphen Maschinen …