Alle Artikel mit dem Schlagwort: Virtuelle Gemeinschaften

Community Informatics als Alternative zum Cyber-Optimismus

Sicherlich ist eine Neuverortung Virtueller Gemeinschaften bezüglich ihrer Bedeutung, Zugänglichkeit und Interaktion mit physischen Gemeinschaften notwendig, da sich das gesamte Forschungsfeld erst noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet und einer Welle von Cyber-Optimismus und -Pessimismus in den 80er und 90er Jahren nun eine Phase mehr pragmatischer Betrachtung folgen kann. Gerade mit Blick auf diasporische Gemeinschaften und Migration sollte unbedingt im Auge behalten werden, dass CMC hier zwar eine sehr wichtige und einzelartige Rolle spielt, dass diese aber ganz eindeutig eine wechselseitige Beziehung zu realweltlicher Kommunikation und sozialer Interaktion eingeht, welche beide Formen verändert, neue Synergien zulässt und sicherlich auch Neues entstehen kann. Es kommt zudem auch meinen persönlichen Vorlieben entgegen, das emanzipatorische Potential dieser Sichtweise zum Nutzen benachteiligter Bevölkerungsgruppen nutzbar zu machen. Im Internet gibt es ein ganzes Buch zum Thema als PDF: Gurstein, M. (2007). What is Community informatics? (And Why Does It Matter), Polimetrica, Milan.

Turing-Test für virtuelle Gemeinschaften?

Neben der Auffassung, dass sich virtuelle Gemeinschaften (wie etwa die Beispiele, die Howard Rheingold erwähnt hat) nicht strikt an die herkömmliche Definition von Gemeinschaften zu halten hätten, um etwa der Kritik zu begegnen, dass es sich bei Online-Communities allenfalls um Gruppen mit gemeinsamen Interessen handle, ist es natürlich auch denkbar, den realweltlichen Gemeinschaftsbegriff weiterhin unverändert als Maßstab anzuwenden. Dies jedoch stellt uns vor das Problem, ein geeignetes Tertium comparationis zu finden, auf dessen Grundlage sich beide Phänomene vergleichen lassen – schließlich wird argumentiert, dass es sich um grundlegend verschiedene Dinge handelt. Anstatt nun aber einen Satz von Kriterien herzustellen und diese auf das digitale Pendent zu übertragen, wäre in Analogie zum Vergleich von menschlicher und künstlicher Intelligenz ein Turing-Test denkbar, der eine äußerliche Ununterscheidbarkeit den Ausschlag geben ließe. Eine Abwandlung des Turing-Tests ist literarisch bereits in dem Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (und im Anschluss daran im Film „Blade Runner„) behandelt worden. Dort handelt es sich um einen Empathietest, bei dem die Probanden physiologisch auf empathiestimulierende Testfragen reagieren, wodurch sich Menschen von anthropomorphen Maschinen …