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Meine Prager Aktivitäten – eine kurze Inventur

Looking back

Heute feiert Tschechien 100 Jahre seit der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918. Der Rückblick auf die Geschichte, der Vergleich mit der Gegenwart und das kalte Regenwetter laden zum Grübeln ein, auch bezüglich meines Lebens hier.

Kürzlich habe ich festgestellt, dass die Google-Maps-Karten auf dem Blog Unterwegs in Tschechien nicht mehr richtig funktionieren. Google will, dass ich mich mit Kreditkarte registriere und ggf. für die Nutzung zahle. Auf diesem Blog bekomme ich einen gewissen, und vermutlich sehr geringen Anteil der Werbeeinnahmen von Google, aber es ist lächerlich wenig. Im Grunde müsste ich dafür zahlen, dass ich ihnen Kunden zu ihrer Werbung bringe.

Insgesamt regt es zu Überlegungen an, ob ich diesen Blog nicht mal archivieren sollte. Die Besuchszahlen sind zwar nicht schlecht, aber ich habe nun kein Messias-Syndrom, dass ich unbedingt den Hunger der Internetuser nach kostenlosen Inhalten befriedigen müsste.

Dann betreibe ich die englischsprachigen Seiten Weird Things in Prague. Hier will ich meine persönlichen Beobachtungen festhalten, also konkrete Dinge in Prag oder auch Fotos, Berichte usw. Es sollen humorvolle und durchaus auch nachdenkliche Seiten sein. Zumindest sieht so die ursprüngliche Idee aus.

Schließlich haben die zugehörigen Facebook-Seiten ihr eigenes Leben entfaltet, wurden ungleich erfolgreicher und enthüllten eine Präferenz der Leser für witzige Bilder und Links, die nichts mehr mit mir als Beobachter und Sammler zu tun haben. Allenfalls meine Kommentare dazu behalten eine gewisse Relevanz. Im Grunde könnte ich den Blog dicht machen. Ich empfände es aber doch als schade, weil er für einen Teil Prags steht, der für mich sehr wichtig und attraktiv ist.

Die von mir mitbegründete und -aufgebaute NGO existiert weiter. Die Palette der Aktivitäten hat sich allmählich aufgrund der Präferenzen der Geldgeber auf bestimmte Fachgebiete verengt, in die ich mit meinen Qualifikationen nicht mehr hinein passe. Ich vermisse die vielen Reisen nach Indien und Birma, die ich früher als Projektleiter und -mitarbeiter unternehmen konnte. Finanziell ist es jetzt auch blöd, da ich viele Jahre meine früheren Berufsfelder vernachlässigt und völlig in diese Organisation investiert habe. Jetzt muss ich mich auf anderen Gebieten umsehen, habe aber aus der NGO-Zeit sehr spezifische Erfahrungen, die mir zwar oft auch allgemein weiter helfen, die aber kaum irgendwo sonst zu „verkaufen“ sind.

Dann stelle ich auch weiterhin kostenlose WordPress-Plugins her und verkaufe eine Premium-Version. Diese Software ist ziemlich komplex, also zum einen mit Blick auf die Prozesse, die „unter der Motorhaube“ ablaufen, also auch in der Konfiguration für die Kunden. Das heißt, dass ich viel Zeit mit der Lösung von Problemen und mit der Anpassung an die Betriebsumgebung (WordPress, WPML) verbringe, vor allem aber auch mit Kundenkontakten. Letztere reichen von sehr freundlichen Anfragen bis hin zu entnervten Zuschriften, weil irgendetwas nicht vollautomatisch funktioniert (und nicht funktionieren kann), und tagelangen E-Mail-Konversationen über ganz spezifische Wünsche bis hin zu Forderungen nach Erstattung des Kaufpreises, weil der Kunde es sich anders überlegt hat.1

Ich habe etwas gezögert, ob ich die Software-Entwicklung unter den Prager Aktivitäten aufzählen soll. Ich habe sie so konzipiert, dass sie möglichst ortsunabhängig ist, und eigentlich macht die tschechische Umgebung die Sache eher schwerer, z.B. was Formalitäten und die zwangsweise technische Ausstattung für die Umsatzsteuer-Abrechnung anbelangt. Aus dem Grund verkaufe ich nicht direkt, sondern über eine Software-Plattform. Aber eigentlich ist sie nichts, was hier mit dem Ort zu tun hat.

Ganz für mich selbst mache ich etwas, das sich vielleicht grob als Sport klassifizieren lässt, was aber für mich mehr ist: Budo. Ich denke, dass viele Menschen andere Tätigkeiten haben, die einen ähnlichen Sinn erfüllt.

Ein Resümee wird es hier nicht geben. Dazu fehlt mir der Abstand.

Looking back by Infomastern

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  1. Wobei sich Software als digitales Gut nicht zurückgeben lässt. Letztendlich wird hier von mir verlangt, dass ich ihnen die Software schenke, nur weil sie ihre Meinung geändert haben.

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