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San Dan Kyou (三段峡)

Ausflug zum San Dan Kyou

Die „Dreistufenschlucht“ (三段峡), wie man es wohl übersetzen könnte, liegt so rund ein bis zwei Stunden von Hiroshima entfernt, je nachdem, welches Verkehrsmitteln man wählt. Der schnellste Bus fährt auf der Autobahn, weshalb es darin keine Stehplätze gibt.

Leider war dieser Bus schon voll, als er an unserer Haltestelle ankam. Wir mussten daher auf den langsameren Bus waren, der in jedem Dorf hielt. Das ist zwar an sich sehr interessant, aber so lange zu stehen ist dann doch etwas nervig.

Der Bus hielt fast am Eingang zur Schlucht. Wir ließen uns zunächst noch ein Mittagessen schmecken, bevor wir loszogen. Das japanische Essen macht zwar satt, aber nie voll und schwer.

An diesem Sonntag war hier wirklich viel Betrieb. Auf den engen Wegen muss man sich immer wieder an entgegen kommenden Leuten vorbei drücken. Hier war Jung und Alt unterwegs, sogar Kleinkinder und Senioren mit Gehstöcken.

Der Pfad ist zwar gut befestigt, aber nur selten mit seitlichen Mauern ausgestattet. Zudem geht er oft bergauf und bergab, was durchaus eine athletische Komponente hinzufügt.

An einigen Stellen führt er durch Tunnels und über Hängebrücken, die bei jedem Schritt wippen.

Die etwas schlauchende Fahrt hierher und der Fußweg, bei dem man immer aufmerksam sein muss, haben sich sehr gelohnt. Die Landschaft ist wirklich extrem malerisch. Die Wege haben oft etwas von einer Achterbahn – aber natürlich nicht kopfunter.

San Dan Kyou

Unten brauste immer das Wasser vorüber.

Der Herbst zeigte sich in vielen gelben und roten Blättern.

An einigen Stellen passierten wir Wasserfälle. Dieser hier ist bekannt für die rote Färbung des Gesteins.

Am Schluss verzweigte sich der Weg und führte zu verschiedenen größeren Wasserfällen, von denen wir nur einen geschafft haben. Wir wollten vor Einbruch der Dämmerung zurück sein, da dieser Weg wirklich nicht für Dunkelheit geschaffen ist.

Am Hang direkt neben uns verkroch sich gemächlich eine Schlange in einem Loch unter dem Laub. Ich meine, es war eine Forest Rat Snake, die völlig ungefährlich ist. Allerdings war ihr Kopf schon nicht mehr zu sehen, so dass sie schwerer zu bestimmen ist.

Abends war es dann schnell sehr kühl. Wir mussten eine Stunde auf den Bus warten. Die verbliebenen Wanderer kauerten in einem offenen Warteraum, der wohl früher einmal die Endstation einer Bahnlinie gewesen war. Es ist schade, dass die nicht mehr in Betrieb ist.

Mitaki 2018, Christoph Amthor

Magisches Mitaki

Die Tempelanlage Mitaki in Hiroshima verfehlt niemals seine Wirkung. Diesmal im November verfärbten sich die Blätter bereits von grün nach rot.

Mitaki 2018, Christoph Amthor

Jenseits des höchsten Wasserfalls führt ein Pfad über einen kleinen Staudamm hinweg in einen Bambushain.

Mitaki 2018, Christoph Amthor

Der Weg schlängelt sich eine ganze Weile bergan. Nur gut, dass es nicht sehr heiß war.

Mitaki 2018, Christoph Amthor

Wir sind nicht ganz bis zum Gipfel des Berges Mitaki gegangen. Irgendwo sah man den nächsten Ortsteil, und hier war Mitaki für uns eigentlich schon zu Ende. Also sind wir wieder hinab gestiegen.

Anschließend waren wir wieder in dem Café oberhalb des Karpfenteichs, wo wir Warabimochi aßen.

Ein kleiner japanischer Junge brach laut in Tränen aus und wurde hinaus geführt, als die Bedienung den Eltern erklärt hatte, dass heute nicht viele Karpfen zu sehen seien. Ich hätte eher geweint, wenn es keinen Kaffee mehr gegeben hätte. Verschiedene Kulturen, verschiedene Präferenzen.

Looking back

Meine Prager Aktivitäten – eine kurze Inventur

Heute feiert Tschechien 100 Jahre seit der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918. Der Rückblick auf die Geschichte, der Vergleich mit der Gegenwart und das kalte Regenwetter laden zum Grübeln ein, auch bezüglich meines Lebens hier.

Kürzlich habe ich festgestellt, dass die Google-Maps-Karten auf dem Blog Unterwegs in Tschechien nicht mehr richtig funktionieren. Google will, dass ich mich mit Kreditkarte registriere und ggf. für die Nutzung zahle. Auf diesem Blog bekomme ich einen gewissen, und vermutlich sehr geringen Anteil der Werbeeinnahmen von Google, aber es ist lächerlich wenig. Im Grunde müsste ich dafür zahlen, dass ich ihnen Kunden zu ihrer Werbung bringe.

Insgesamt regt es zu Überlegungen an, ob ich diesen Blog nicht mal archivieren sollte. Die Besuchszahlen sind zwar nicht schlecht, aber ich habe nun kein Messias-Syndrom, dass ich unbedingt den Hunger der Internetuser nach kostenlosen Inhalten befriedigen müsste.

Dann betreibe ich die englischsprachigen Seiten Weird Things in Prague. Hier will ich meine persönlichen Beobachtungen festhalten, also konkrete Dinge in Prag oder auch Fotos, Berichte usw. Es sollen humorvolle und durchaus auch nachdenkliche Seiten sein. Zumindest sieht so die ursprüngliche Idee aus.

Schließlich haben die zugehörigen Facebook-Seiten ihr eigenes Leben entfaltet, wurden ungleich erfolgreicher und enthüllten eine Präferenz der Leser für witzige Bilder und Links, die nichts mehr mit mir als Beobachter und Sammler zu tun haben. Allenfalls meine Kommentare dazu behalten eine gewisse Relevanz. Im Grunde könnte ich den Blog dicht machen. Ich empfände es aber doch als schade, weil er für einen Teil Prags steht, der für mich sehr wichtig und attraktiv ist.

Die von mir mitbegründete und -aufgebaute NGO existiert weiter. Die Palette der Aktivitäten hat sich allmählich aufgrund der Präferenzen der Geldgeber auf bestimmte Fachgebiete verengt, in die ich mit meinen Qualifikationen nicht mehr hinein passe. Ich vermisse die vielen Reisen nach Indien und Birma, die ich früher als Projektleiter und -mitarbeiter unternehmen konnte. Finanziell ist es jetzt auch blöd, da ich viele Jahre meine früheren Berufsfelder vernachlässigt und völlig in diese Organisation investiert habe. Jetzt muss ich mich auf anderen Gebieten umsehen, habe aber aus der NGO-Zeit sehr spezifische Erfahrungen, die mir zwar oft auch allgemein weiter helfen, die aber kaum irgendwo sonst zu „verkaufen“ sind.

Dann stelle ich auch weiterhin kostenlose WordPress-Plugins her und verkaufe eine Premium-Version. Diese Software ist ziemlich komplex, also zum einen mit Blick auf die Prozesse, die „unter der Motorhaube“ ablaufen, also auch in der Konfiguration für die Kunden. Das heißt, dass ich viel Zeit mit der Lösung von Problemen und mit der Anpassung an die Betriebsumgebung (WordPress, WPML) verbringe, vor allem aber auch mit Kundenkontakten. Letztere reichen von sehr freundlichen Anfragen bis hin zu entnervten Zuschriften, weil irgendetwas nicht vollautomatisch funktioniert (und nicht funktionieren kann), und tagelangen E-Mail-Konversationen über ganz spezifische Wünsche bis hin zu Forderungen nach Erstattung des Kaufpreises, weil der Kunde es sich anders überlegt hat.1

Ich habe etwas gezögert, ob ich die Software-Entwicklung unter den Prager Aktivitäten aufzählen soll. Ich habe sie so konzipiert, dass sie möglichst ortsunabhängig ist, und eigentlich macht die tschechische Umgebung die Sache eher schwerer, z.B. was Formalitäten und die zwangsweise technische Ausstattung für die Umsatzsteuer-Abrechnung anbelangt. Aus dem Grund verkaufe ich nicht direkt, sondern über eine Software-Plattform. Aber eigentlich ist sie nichts, was hier mit dem Ort zu tun hat.

Ganz für mich selbst mache ich etwas, das sich vielleicht grob als Sport klassifizieren lässt, was aber für mich mehr ist: Budo. Ich denke, dass viele Menschen andere Tätigkeiten haben, die einen ähnlichen Sinn erfüllt.

Ein Resümee wird es hier nicht geben. Dazu fehlt mir der Abstand.

Looking back by Infomastern

Shuffle Box - searchable tag cloud - Gutenberg - WordPress plugin

Rückblick auf ein Jahr meines Premium Plugins

Es ist jetzt ein Jahr her, dass ich die Premiumversion des Tag Groups Plugins veröffentlicht habe. Vielleicht ist das der richtige Augenblick, um einmal zurück zu blicken.

Das kostenlose Plugin ist seit dem 19 Juni 2012 auf WordPress.org erhältlich. Es waren also rund 6 Jahre vergangen, bis ich mich entschlossen hatte, eine Premiumversion zu erstellen.

Diese 6 Jahre sind nicht nur wichtig für die Entwicklung, sondern auch für mein heutiges Verständnis von dem, was es ist. Es ist einfach gut zu wissen, dass es nicht primär als kommerzielles Produkt geplant worden ist. Die kostenlose Version ist keine Demoversion des eigentlichen Plugins, sondern sie ist eigenständig und vollwertig und in ihren Funktionen eine runde Sache.

Die Entwicklungsstadien könnte man wie folgt gliedern:

  1. Eigenbedarf
  2. von Nutzern gewünschte Features
  3. Systematische Überarbeitung
  4. Freemium Modell

Auch während der Freemium-Phase wird das kostenlose Plugin weiter entwickelt. Den größten Schritt bedeutet sicher die Erstellung von Gutenberg-Blöcken. Das ist ein Feature rein für das Backend, das aber erhebliche Zeit und Mühen gekostet hat. Im Endeffekt sind das Kosten, bei denen mehr als fraglich ist, ob sie einmal durch Mehreinnahmen beim Premium-Plugin gedeckt werden können.

Im Frontend blieb alles beim Alten:

Mit dem Premium-Plugin sind schon andere Sachen möglich. Dies hier basiert ebenfalls auf einem Gutenberg-Block:

Der Stand der Dinge, im Rückblick

Nach einem Jahr Premium habe ich mal versucht, ein paar Lehren zusammenzufassen, die ich gelernt habe:

  1. Kunden erwarten nicht weniger von einem Produkt, bloß weil es billiger ist. Der Preis sollte der Arbeit und dem Aufwand entsprechen. Wenn er dann zu hoch ist und niemand es kauft, dann ist es besser, die Sache kostenlos (oder gar nicht) anzubieten und von allen Verpflichtungen frei zu sein, als dass man es unter seinem Wert verkauft.
  2. Supportanfragen stellen die schwierigste Arbeit dar. An deren Menge, Art und Verlauf entscheidet sich, ob sich das Projekt trägt und ob man damit zufrieden ist. Eine gute Dokumentation und Benutzerführung sind daher extrem wichtig.
  3. Die Erhöhung der Verkaufszahlen durch Preissenkungen ist oft problematisch, da damit auch der Arbeitsaufwand und die Kosten durch Support steigen. Und, wie oben schon gesagt, die Anfragen sind nicht leichter zu erledigen, bloß weil das Produkt billiger ist.
  4. Supportanfragen sind auch der emotional wichtigste Teil. Es gibt unglaublich erfreuliche Kundenkontakte, und daneben nervige oder sogar sehr ärgerliche. Wenn eine unangenehme Anfrage vor dem Wochenende eintrifft, dann hat man die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder bis zum Montagmorgen verdrängen oder sie jetzt schon bearbeiten, um zumindest einen Teil des Wochenendes zu retten.
  5. Es ist extrem wichtig, die berufliche Kommunikation nach Feierabend und an Wochenenden abzuschalten. Das betrifft sogar die E-Mail-App auf dem Handy, die dann keine beruflichen Mails mehr synchronisieren darf. Wichtige Meldungen von der Website usw. sollten aber natürlich durchgelassen werden.
  6. Softwarevertrieb bringt es mit sich, dass die Kunden aus verschiedenen Zeitzonen anfragen. Da muss man einfach freundlich aber bestimmt auf der eigenen Zeitzone bestehen. Wenn bei mir Nacht ist, dann habe ich frei.
  7. Der Aufwand für Website, Supportsystem und dergleichen bildet einen erheblichen Anteil neben der eigentlichen Arbeit am Produkt. Und auch hier muss man damit rechnen, sich andauernd fortzubilden und alles immer mal wieder zu überarbeiten.
  8. Eigentlich braucht man von Anfang an ein Team, um so etwas als Haupterwerb zu betreiben. Das fängt schon damit an, dass man irgendwann vielleicht krank ist oder Urlaub braucht. Diese Leute zu ernähren bildet die Mindestkosten. Wenn man diese Ebene nicht erreicht, dann sollte man sich überlegen, ob man es nicht gleich als Nebenerwerb oder teilfinanziertes Hobby definieren will und dies auch so kommuniziert.
  9. Selbst wenn es nur ein Nebenerwerb oder Hobby ist, dann ist der Zeitbedarf doch so hoch, dass es für andere Tätigkeiten eng wird. Vielleicht braucht man pro Tag nur eine Stunde anspruchsvoller Arbeitsleistung und nur eine Stunde mittlerer Arbeitsleistung, aber die fehlen einem dann für andere Tätigkeiten. Inklusive derjenigen Arbeiten, die man ohne nachzudenken macht, ist dann oft der Vormittag weg. In der übrigen Zeit erledigt man nicht so leicht ein anderes Projekt, das ebenso einen vollen Einsatz und ein frisch ausgeruhtes Gehirn erfordert. Verschiedene Jobs lassen sich nicht einfach zeitlich aufaddieren.
  10. Es ist auf Dauer anstrengend, zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her zu schalten. Man muss nicht nur neu in den momentanen Zustand hinein finden und seine Geräte umschalten, sondern auch seine Pläne und seine Herangehensweise, ja oft sogar die eigene Identität austauschen. Man steckt vielleicht gedanklich noch in der anderen Arbeit, muss aber den Kunden davon überzeugen, in dieser hier voll präsent zu sein. Oft sogar sind es zwei konkurrierende „Ichs“, die sich gegenseitig Ressourcen streitig machen.
  11. Die Auswahl der Verkaufsplattform ist schwierig, und manche Entscheidungen (etwa das Lizenzmodell) sind später nur noch schwer zu ändern. Der Verkauf auf der eigenen Webseite bringt Bürokratie mit sich, so etwa für Umsatzsteuer oder Garantiefälle. Wenn man ohne Lizenzschlüssel verkauft (also einmal kaufen, für immer benutzen), dann ist der Kaufpreis höher, als wenn man eine jährliche Verlängerung anbieten kann, was für Kunden ungünstig aussieht, auch wenn es das nicht ist. Der Anteil an den Einnahmen ist zudem je Marketplace extrem verschieden. Dessen allgemeine Erscheinungsform spielt daneben auch eine Rolle, denn Qualität und Präsentation mancher anderer Produkte sind dort oft unzufriedenstellend und ziehen das eigene Produkt mit hinunter.
  12. Allgemein hat sich das Freemium-Modell sehr gut bewährt. Es sorgt nicht nur für einen steten Zustrom neuer potentieller Kunden, sondern bietet ihnen auch eine Möglichkeit, das bezahlte Produkt ersteinmal zu testen. Somit verringert sich wiederum die Menge der Supportanfragen.

Als ich angefangen hatte, hatte ich mir gedacht, dass die ersten drei Monate erstmal so etwas wie ein Testlauf sind. Danach würde ich auswerten, wie es so gelaufen ist, und entscheiden, ob und wie ich weiter mache.

Nach den drei Monaten gab es allerdings kein klares Ergebnis. Im Endeffekt habe ich mir immer nur neue Strategien überlegt, wie die Nachteile beseitigt oder zumindest verringert werden könnten, und ich habe weiter gemacht. So gesehen hat sich die Zeit des Evaluierens immer weiter verlängert.

Ein Schlusswort? Ich bin sicher ein gutes Stück stolz darauf, es so weit gebracht zu haben, aber ich mache mir auch keine großen Illusionen, gerade wenn ich mir die Plugins anderer Leute ansehe und eingestehen muss, dass sie einfach besser oder erfolgreicher sind.

Im Leben gibt es keine Sackgassen. Was immer man macht, verändert die Ausgangsposition für zukünftige Unternehmungen.

Iaito - tsuba

Takemori Sensei in Berlin

Am letzten Wochenende bin ich wieder nach Berlin gefahren, um dort an einem 2,5-tägigen Seminar von Takemori Sensei teilzunehmen. Leider durften wir diesmal keine Videos aufnehmen. Dieses Verbot kenne ich bereits aus anderen Budo-Arten, wo befürchtet wird, dass dadurch etwas Falsches überliefert wird. Zudem könnte wohl auch etwas aufgenommen werden, was gar nichts mit den eigentlichen Techniken zu tun hat.

Nach dem letzten Jahr wusste ich schon so ungefähr, was mich erwarten würde. Die Übungen mit dem Schwert waren sehr am ursprünglichen Iaido orientiert, was mir sehr gefällt. Einige andere Lehrer legen bloß Wert darauf, dass sie sehr schnell sind, oder sie vernachlässigen zum Beispiel völlig die Koordination von Armen und Körper. Hier jedoch wurden in Ruhe sehr einfache Bewegungen geübt, um überhaupt die Grundlagen zu erlernen.

Sensei legt großen Wert auf Umgangsformen und korrektes Verhalten. Dazu gehört auch die Kleidung. So etwa darf unter dem Hakama keine weiße Hose zu sehen sein – selbst nicht im Sitzen auf einer Bank. Diese Regeln sind sonst oft nur schwer zu erlernen, weil sie im normalen Training kaum erwähnt oder beachtet werden.

Die Ausführung der Techniken ist oft anders, als ich es gewöhnlich gelehrt bekomme. Die meisten Teilnehmer stammten aus Vereinen, die nur von diesem Lehrer lernen. Bei mir jedoch ist diese Sache etwas komplizierter.

Während ich mich insgesamt nur in Nishios Senseis Aikido bewege, besuche ich die Seminare von sehr verschiedenen (und vielleicht in Details untereinander inkompatiblen) Lehrern. Der Grund dafür dürfte wohl darin liegen, dass wir bei uns keinen hochrangigen Lehrer vor Ort haben und dass alle Seminare woanders stattfinden, weshalb ich ohnehin reisen muss.

Dadurch, dass ich auch andere Budo-Arten mache oder gemacht habe, achte ich zudem darauf, ob sich das gelehrte Aikido damit vereinbaren lässt. Und mit diesem Wunsch fände ich es etwa schwierig, manche andere Aikido-Stile zu versuchen, die sich ihren eigenen Kosmos geschaffen haben.

Der Nachteil an dem Reisen zu den Seminaren ist lediglich neben dem finanziellen Aufwand, der verhindert, dass man häufiger fährt, das zeitaufwändige Reisen. Von Berlin aus fuhr abends kein Zug mehr zurück nach Prag, so dass eine weitere Übernachtung unterwegs nötig war.

Bücher

Bücher verkaufen oder behalten?

Über die Jahre habe ich eine durchaus beachtliche Anzahl von Büchern angesammelt, die zwar nicht mit vielen Bibliotheken anderer Leute mithalten können, sich aber doch zumindest bei jedem Umzug bemerkbar machen. Gerade die Umzüge haben – neben finanziellen Erwägungen – meine Buchkäufe stark gedämpft.

Eine Zeitlang habe ich mich mehr aus Bibliotheken versorgt, aber gerade im Ausland ist es oft schwierig, an gute deutschsprachige Bücher heranzukommen. Die fremdsprachige Lektüre ist oft etwas mühsam und erscheint mir auch seltsam, wenn das Original eigentlich auf Deutsch erschienen ist.

Eine moderne Alternative besteht darin, dass man Bücher nur noch digital liest. Das ist zwar praktisch, vor allem im Zug oder wenn man mit kleinem Gepäck auf Reisen ist, aber es geht auch ein wichtiger haptischer und ästhetischer Aspekt verloren. Digitale Daten haben zudem die Tendenz schnell zu verschleißen – sei es, weil alte optische oder magnetische Träger zunehmend Fehler aufweisen, weil ein Online-Account erlischt oder weil alte Datenträger einfach nicht mehr kompatibel sind.

Bei einigen Büchern ist es klar, dass ich mich nicht von ihnen trennen will. Dann aber gibt es solche Grenzfälle: Wörterbücher von Sprachen, die ich einmal zu lernen versucht habe. Romane, die zwar nett sind, aber auch nicht umwerfend. Geschenkte Bücher, die mir weit weniger bedeuten als diejenigen Personen, die sie mir geschenkt haben.

All diese mittelwertigen Bücher füllen bei jedem Umzug durchaus einige große Kartons. Dann in der Wohnung tragen sie eher als Staubfänger oder dekorative Elemente zur Gesamtatmosphäre bei. Vermutlich würde ich sie gar nicht mal vermissen, wenn sie weg wären. Und wenn doch, dann käme ich sicher wieder an ähnliche Exemplare heran.

Oft empfinde ich sie auch einfach als Last, als Mobilitätshindernis. Sie haben nicht nur ein materielles Gewicht, sondern auch ein imaginäres. Hätte ich irgendwo einen Ort, wo ich dies alles lassen und vergessen könnte, wo es trocken und sicher ist, dann wäre dies alles kein Problem. Aber momentan trage ich alles mit mir herum.

Unter Wert verkaufen?

Die Frage drängt sich auf, ob ich diejenigen Bücher, die ich nie in die Hände nehme und die eigentlich ersetzbar sind, die aber zu gut zum Wegwerfen sind, nicht einfach verkaufen soll. Zu den deutschen Online-Börsen habe ich hier in Prag nicht so ohne weiteres Zugang. Also blieben Läden mit gebrauchten Büchern. Bevor ich allerdings diese Werke zum Kilopreis loswerde, besteht immer noch die Möglichkeit, mir einmal zum Vergleich den Preis von entsprechenden Lagerräumen auszurechnen. Denn auch ein ungünstiger Verkauf ist wie ein Verlust.

Wenn ich Bücher unter ihrem Wert verkaufen muss, weil es hier keine Alternativen gib, dann kann ich auch andere und vielleicht günstigere Optionen erwägen. Zumal wenn ich gezwungen wäre, diese Bücher bloß auf ihr Volumen oder Gewicht zu reduzieren, dann ist es nur konsequent, sie einfach irgendwo einzulagern, bis mal jemand Besseres mit ihnen anzufangen weiß.

Gut, die Frage bleibt ungelöst. Vielleicht aber tendiere ich eher zum Lagern und, falls ich die Bücher wirklich einfach loswerden will, zum Verschenken in gute Hände.